Clara Haberkamp

solo

Clara Haberkamp   piano

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Clara Haberkamp Trio

Clara Haberkamp    piano

Oliver Potratz   bass

Tilo Weber   drums

„Trotzig. Sensibel. Lebendig. Unkonventionell. Authentisch. Mutig. Clever.“

Jazzthing

Die Musik und das Leben. Kunst, egal in welchem Gewand, ist immer dann am authentischsten, wenn sie das Leben abbildet. Nicht nur einen bestimmten Aspekt des Lebens, sondern das Leben in seiner ebenso verführerischen wie erbarmungslosen und nicht zuletzt oft paradoxen Vielfalt. Die Berliner Pianistin Clara Haberkamp lebt. Das klingt so simpel und banal, dass es hier eigentlich überhaupt nicht erwähnt werden sollte. Aber für Clara Haberkamp gibt es keine Trennung zwischen ihrem Leben und der Musik. Sie postuliert nicht das sprichwörtliche Leben für die Musik und musiziert nicht um ihr Leben, sondern Leben und Musik sind bei ihr schlichtweg eins.

Als Pianistin, Bandleaderin und Komponistin hat sie sich in den letzten Jahren eine autarke und unverwechselbare Sprache angeeignet. In jedem Stück, das sie schreibt und interpretiert, findet sie eine ganz klare Antwort auf die Frage, was der jeweilige Song braucht. Wie eine Zimmerpflanze, die nicht nur Licht, Wasser und Dünger benötigt, um zu wachsen, sondern die auch im Raum und inmitten der anderen Pflanzen richtig platziert werden will, um zur Geltung zu kommen, wird jeder Song von ihr mit allem ausgestattet, was ihn für sich zu einem unverwechselbaren Erlebnis macht.  

Für die junge Pianistin ist Leben nicht einfach nur ein Synonym für Lebendigkeit. Sie konfrontiert sich unablässig mit sich selbst und gewährt allen Aspekten des Lebens Zugang zu ihrer Klangwelt. Statt dem berühmten roten Faden oder einem Konzept zu folgen, dessen Parameter meist schon vom ersten Ton an vorgegeben sind, baut sie auf die Logik des Alltags, die sich jeder Kalkulierbarkeit entzieht. Sie kann selbst innerhalb eines Songs extrem entgegengesetzte Positionen einnehmen, ohne dass sich daraus ein Widerspruch ergeben würde, und bezieht den Hörer mit beeindruckender Schonungslosigkeit in diese Erfahrung ein. Da gibt es die leichten, hoffnungsfrohen Momente, die sich einfach nur entfalten, ohne hinterfragt werden zu müssen. Da gibt es auch zaghafte und ängstliche Zustände, die nachdenklich und in sich verschränkt sind; Hürden, die sich nur aufbauen, um sich gemäß dem Energieerhaltungssatz selbst wieder auf dem Weg zu räumen. Und es gibt Augenblicke von brutaler Direktheit, die meist völlig unangekündigt über den Hörer hereinbrechen. So breitet sie sich mit der ganzen Kraft ihrer Imagination in der Musik aus.

Gemeinsam mit ihren Mitstreitern bildet Haberkamp ein bemerkenswertes Trio. „Es bewegt sich nicht außerhalb der Jazztradition, kennt offenbar viele andere musikalische Strömungen – von der Musik der Romantik bis zu klangtechnischen Praktiken der Moderne – und reflektiert sie spielend, besitzt vor allem aber viel schöpferische Eigeninitiative. Daraus entsteht eine Musik, die nicht verstört, aber auch nicht einlullt, die man wiedererkennt und bei der man doch aufhorcht, weil sie so neu erscheint.“ (Wolfgang Sandner, FAZ)

Mit Drummer Tilo Weber verbindet sie seit langem eine enge musikalische Partnerschaft. Seine unaufdringlichen Drum-Teppiche tragen das Spiel der Pianistin, auf dass sie sich in jede nur denkbare Richtung tasten kann und unbekannte Räume erschließen kann. Weber hat die seltene Gabe, auch dann sehr vehement zu sein, wenn man ihn gar nicht hört. Er baut unsichtbare Brücken, schafft Spannung durch Weglassen, pointiert durch geschmackvolle Untertreibung. Der Neue im Bund ist Bassist Oliver Potratz. Eloquent findet er die perfekte Balance zwischen kontinuierlicher Präsenz und stilsicherem Setzen von Kontrapunkten.

Überhaupt scheint Kontrapunkt die Überschrift zu sein, unter der das ganze Trio-Programm steht. Clara Haberkamp geht voll ins Risiko, tritt mit beiden Beinen fest auf, um sich einen Song später bewusst für das ganz dünne Eis zu entscheiden. Improvisation ist für sie unverzichtbar, nicht nur in Intros, kollektivem Freispiel oder solistischen Exkursen, sondern vor allem in der spontanen Gestaltung jeder Nuance. So wird jeder Auftritt zu einem starken und einmaligen Statement. 

Triofoto von Gustav Eckart

stern_gr

Die Pianistin, Komponistin und Sängerin Clara Haberkamp (*1989 bei Unna) lebt in Berlin. In den Jahren 1998 bis 2006 gewann sie mehrmals bei den Wettbewerben „Jugend jazzt“ und „Jugend musiziert“ auf Landesebene. Später war sie auch Pianistin im Bundesjazzorchester (Bujazzo). 

Von 2009 bis 2013 studierte sie Klavier am Jazz Institut Berlin u.a. bei Hubert Nuss, David Friedman und Greg Cohen. Ihr darauffolgendes Masterstudium im Fach Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg hat sie im Mai 2017 mit der CD-Aufnahme eines eigens für die NDR Big Band komponierten Programmes im Rolf-Liebermann-Studio Hamburg abgeschlossen. 

Mit dem Clara Haberkamp Trio konnte sie als Gewinnerin des „Newcomer Awards“ des Festivals „Jazz Baltica“ im Jahr 2011 die erste CD realisieren („Nicht rot, nicht weiß, nicht blau“). In den nachfolgenden Jahren hat sie 3 weitere Alben sowohl in Triobesetzung als auch als Solistin eingespielt. Mit ihrem Album „Orange Blossom“ (Traumton Records) wurde das Trio für den Echo Jazz 2017 in der Kategorie „Newcomer“ nominiert. Das neueste Album „Neon Hill“ war Grundlage für eine Titelstory in der Zeitschrift „Jazzthetik“. 

Für CASIO Music hat Clara Haberkamp 2019 ihre Komposition „dinner with a nymph“ in einem Werbevideo präsentiert, seitdem arbeitet sie regelmäßig mit CASIO Music zusammen. 

Clara Haberkamp lehrt das Fach „improvisierte Liedbegleitung“ an der Universität der Künste Berlin und wurde kürzlich mit der Lehre für Tonsatz an der Filmuniversität Babelsberg betraut. Seit Sommer 2020 promoviert sie zum Thema „Erweiterte Methoden der improvisierten Liedbegleitung unter Berücksichtigung aktueller Strömungen der Neuen Musik und des Jazz“. Die künstlerisch-wissenschaftliche Promotion wird durch das Programm „Dissertation Plus“ der Claussen-Simon-Stiftung gefördert. 

Da ist zunächst der Anschlag von Haberkamp. Klar konturiert und ohne alles sanfte Säuseln setzt sie ihre Akkorde, die das Terrain der romantischen Harmonik nicht verlassen, bis sie in Off-Beat-Phrasierungen des modernen Jazz übergehen. Aber wo auch immer das musikalische Material ihres Spiels herkommt und wie dynamisch sie auch immer ihre Linien oder ihre Akkorde setzt, der Flügel wirkt bei ihr stets so, als habe man die Stahlsaiten durch Darmsaiten ersetzt. Dieser Klangcharakter grundiert ihr ganzes Spiel, als sei jeder Ton imprägniert, mit einer feinen Hülle überzogen, der gegen alle Grobheiten und jegliches unqualifizierte Poltern schützt. Ihr Spiel hat etwas wohltuend Ebenmäßiges, selbst in kraftvollen Phrasen Diskretes, fast möchte man es als einen wunderbar weiblichen Gestus bezeichnen (…). Jedenfalls ist Haberkamp eine großartige, nie durch Virtuosität auftrumpfende Pianistin, mit einem elegisch-lyrischen Sopran, der ein wenig (…) an Joni Mitchell erinnert, nur geradliniger, ohne alles Tremolieren erscheint. 

Wolfgang Sandner, FAZ 01/2018

Die Songs führen atmosphärisch am Rande der Kammermusik entlang. Sie erzählen Geschichten des emotionalen Überschwangs, ohne dafür auf meloische Klischees zurücgreifen zu müssen. Es ist keine Musik zum Mitpfeifen, aber auch keine, deren Reibungswärme Schweißperlen evoziert. (…) Alles ist im Fluss und hat doch genügend Nebenarme des Ästhetischen, um harmonisch, strukturell, motivisch immer wieder zu überraschen. Damit baut sich das Clara Haberkamp Trio eine eigene Welt. 

Jazzthetik 2016

Die Bürde der großen Namen schüttelt Haberkamp ab wie ein Blatt, das zufällig auf ihren Rücken gefallen ist. Sie ehrt ihre persönlichen Helden (…) indem sie sich von ihnen löst.

Jazzthing 2016

Wenn sich Klavier, Bass und Schlagzeug ihres Trios manchmal traumverloren im Rubato umschweben, schafft sie es nämlich, einen ganz schnell hineinzuziehen in ihre Welt, in der die Musik manchmal nur aus wenigen wohlgesetzten Tupfern besteht. Der Raum zwischen den einzelnen Noten regt die Fantasie ihrer Zuhörer an. Clara Haberkamp ist eine Meisterin des Weglassens. (…) Ohne lange Anlaufphasen schafft dieser Dreier traumwandlerische Atmosphäre. Mal umschleichen sich die Musiker spielerisch, schweben aufeinander zu, neigen zu angenehm verwunschenen Stimmungen, dann wieder langen sie ganz pointiert und rhythmisch gewagt zu. Aus diesem stetigen Wechsel, dem freien Umgang mit Formen und dem Mut zur Reduktion entsteht etwas sehr Reizvolles.

Ssirus W. Pakzad, Jazzthing 2018