Eva Klesse Quartett

Eva Klesse Quartett

Eva Klesse (by Sally Lazic) sw

EVGENY RING  saxophone

PHILIP FRISCHKORN  piano

STEFAN SCHÖNEGG   double bass

EVA KLESSE   drums

„Musik, die auf einmal eine andere Welt preisgibt.“

BAYERISCHER RUNDFUNK

Vor genau zwei Jahren veröffentlichte das Eva Klesse Quartett sein zweites Album „Obenland“ und manifestierte damit seinen Status in der europäischen Jazzszene. Es folgten hervorragende Reaktionen der Medien, Einladungen zu Festivals und internationale Konzertreisen, die die Band bis nach Asien, Mittel- und Südamerika führten. Als „wild, romantisch, elegisch, packend“ beschrieb ein Kritiker der JazzThing die Musik von „Obenland“, im Weser Kurier wurde die „bestechend exakte Verzahnung“ der Band hervorgehoben. Ein Kollege der FAZ befand: „Vieles entwickelt sich fließend, typische Grenzen zwischen Komposition und Improvisation lösen sich unmerklich auf. Dank interessanter Melodien und Harmonien ist der Jazz des Eva Klesse Quartetts für unterschiedliche Hörer attraktiv und doch weit vom Mainstream entfernt.“

Nun also das dritte Kapitel dieser künstlerischen Erfolgsgeschichte: „miniatures – ten songs for chamber jazz quartet“. Sein Titel weist die Richtung, in die das ästhetische Pendel diesmal tendiert. Während auf „Obenland“ viele recht lange Stücke mit großer Dynamik und weiten Bögen fesselten, klingt das neue Album insgesamt inniger und klarer. Geblieben ist die spannende Interaktion unterschiedlicher Spielhaltungen und Charaktere, die viel zur besonderen Ausstrahlung des Quartetts beiträgt. Ebenso das aufmerksame gegenseitige Zuhören, sich gegenseitig Platz einräumen. Und das feine Gespür dafür, intensive Geschichten ohne Worte zu erzählen.

„Die Musik ist kondensierter, Improvisationen sind stärker mit den Kompositionen verzahnt“, beschreibt Pianist Philip Frischkorn die Entwicklung. Eva Klesse führt weiter aus: „Unsere Idee war diesmal, konkretere Bilder zu malen. Darüber hinaus ging es darum, eine gewisse Sparsamkeit, eine Ruhe auszuhalten.“ Man kann und darf das als Statement zu einer gesellschaftlichen Entwicklung lesen, in der Lauthälse und ungebremstes Getöse die Oberhand zu erlangen scheinen. Tatsächlich geht es der Band aber vor allem um eine künstlerische Aussage. Immerhin fällt es Jazzmusikern auch nicht immer leicht, Sparsamkeit auszuhalten. Philip Frischkorn, von je her der Klassik und klassischen Moderne zugeneigt, hat sich neue Parameter gesetzt, innerhalb derer er sich bewegt. „Diesen Herbst habe ich damit experimentiert, vor dem Komponieren zunächst das Tonmaterial festzulegen.Ich wollte innerhalb von strengen Grenzen nach Möglichkeiten für improvisative Freiheit suchen. Als Improvisator reisst man die Grenzen nicht ein, sondern man funktioniert sie zärtlich um.“ Kein Wunder, dass Frischkorns individuelle Skalen lebendiger und weit weniger streng klingen als historische Reduktions-Konzepte, etwa serielle oder Zwölftonmusik.

Die persönliche Herangehensweise der Komponisten – neben Frischkorn haben Evgeny Ring und Eva Klesse Stücke geschrieben – fällt recht unterschiedlich aus, was viel zur subtilen Spannung des Albums beiträgt. Zudem entwickeln einige Stücke eine überraschende Dynamik. Etwa Frischkorns anfangs fast impressionistisch anmutendes „M.’s Dreaming“, dessen verhaltene Stimmung nach einer guten Weile jäh umschlägt. Rings „Orm“ verschmilzt schnelle Klavier-Arpeggien, rhythmische Verwirbelungen und markante Saxophonphrasierungen zu einem eindrucksvollen Strom, der das philosophische Konzept, von kreativer Energie durchströmt zu werden, höchst lebendig macht. Klesses Stücke, die oft als Songs ohne Worte figurieren, reflektieren konkrete Lebenssituationen.

Im Frühjahr 2018 wurde Eva Klesse als Professorin für Jazzschlagzeug an die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover berufen, 2017 wurde die Bandleaderin mit dem Westfalen-Jazz-Preis ausgezeichnet. Die Jury schrieb dazu, „Klesse beeindruckt mit einem dynamischen Spiel, beherrscht feinste Nuancen und zarteste Töne. […] Sie ist kreative Gestalterin mit identifizierbarer Handschrift und kongeniale Partnerin zugleich.“

Der charakteristische Sound des Eva Klesse Quartetts wirkt auf „miniatures“ detailschärfer und transparenter denn je. Viele kammermusikalische Feinheiten, klare oder klug verästelte Kompositionen und ausbalancierte Improvisationen lassen rund 50 Minuten schnell vergehen. Konzeptionelle Gedanken und die daraus resultierende Fokussierung zeigen eine überzeugende künstlerische Entwicklung. Die Ausdruckstiefe der Band führt zu einer musikalischen Erzählkunst, die im internationalen Umfeld souverän bestehen kann. Mit solchen Musikerpersönlichkeiten kann der Jazz zukünftig nicht nur langjährige Anhänger des Genres glücklich machen, sondern auch neue Liebhaber finden.

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Evgeny Ring wurde 1987 in Rostow am Don (Russland) geboren. Im Alter von 7 Jahren begann er seine musikalische Ausbildung am Saxophon in der Kim Nazaretow-Kinder-Jazzschule und spielte dort auch in der Children’s Bigband unter der Leitung von Andrey Machnew. Im Oktober 2007 zog Evgeny nach Leipzig, wo er Saxophon an der Hochschule für Musik und Theater studierte. Hier erhielt er Unterricht bei Uwe Plath, Johannes Enders, Richie Beirach und anderen. Im Laufe der Jahre hat Evgeny in verschiedenen Projekten mitgewirkt (z.B. Evgeny Ring Quartet, East West European Jazz Orchestra, Big Jazz Thing, Spielvereinigung Sued, Eva Klesse Quartett). Des Weiteren hat Evgeny an vielen Wettbewerben erfolgreich teilgenommen, so gewann er unter anderem den Russischen Jazz Award 2007. Mit seinem Quartett gewann Evgeny Preise beim „Internationalen Jazzpreis Burghausen“ und beim „Jazzwettbewerb Hoeilaart Belgien“.

Philip Frischkorn, geboren 1989 in München, begann mit 6 Jahren Klavier zu spielen.

Durch seine Brüder, die beide Streichinstrumente spielen, kam er früh in Kontakt mit klassischer Kammermusik. Als Begleiter nahm er an verschieden „Jugend Musiziert“ Wettbewerben teil. Mit Jazz beschäftigte er sich zunächst autodidaktisch. Nach seinem Wechsel auf das musisch geprägte Pestalozzi Gymnasium in München hatte er sowohl Jazzklavier-, als auch Theorie- und Arrangementunterricht.

In dieser Zeit fing er verstärkt an zu komponieren und zu arrangieren. 2009 begann Philip ein Philosophiestudium in Berlin.

Dort hatte er Jazzklavierunterricht bei Larry Porter. Von 2010 bis 2014 studiert er in der Klasse von Prof. Richie Beirach Jazzklavier an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Bei Prof. Michael Wollny hat er seinen Master gemacht. 2014 hat er mit der Band Trio.Diktion den Leipziger Jazznachwuchspreis gewonnen.

Stefan Schönegg, in Heppenheim geboren, in Konstanz aufgewachsen. Studierte klassischen Kontrabass und Jazzkontrabass in Berlin und Köln, lebt und arbeitet in Köln. Aktiv im Spannungsfeld von Improvisierter Musik, Jazz, Neue Musik. Gründungsmitglied des Kölner Kollektivs für improvisierte und aktuelle Musik IMPAKT. Stefan spielt als gefragter Sideman Konzerte in ganz Europa und darüber hinaus. Er arbeitete unter anderem zusammen mit: Arto Lindsay, Theo Bleckmann, Eve Risser, Sebastian Sternal, Jonas Burgwinkel, Philip Zoubek. Neben seinem eigenen Quartett Enso, welches sich mit leisen Intensitäten im Zwischenraum von freier Improvisation und Komposition beschäftigt, ist er in zahlreichen Projekten tätig, wie zB dem Simon Nabatov Trio, Schmid‘s Huhn, Totenhagen uvm.

Eva Klesse, geboren 1986 in Werl (NRW), begann ihre schlagzeugerische Ausbildung mit 11 Jahren. Sie studierte das Fach Jazzschlagzeug an den Musikhochschulen Leipzig, Weimar und Paris, schloss 2013 ihr Studium mit zweifachem Diplom ab und unterbricht ihr Meisterklassestudium an der HMT Leipzig zur Zeit zugunsten eines USA-Studienaufenhalts, während dessen sie mithilfe eines Stipendium des DAAD an der New York University im Studiengang Jazz Performance eingeschrieben ist. Ihre wichtigsten Lehrer in den letzten Jahren waren und sind u.a. Heinrich Köbberling, Richie Beirach und Ari Hoenig.

Eva ist als Musikerin in zahlreichen Projekten tätig, aktuell u.a. in der Jorinde Jelen Band, im Trio No Kissing sowie im Eva Klesse Quartett, für welches sie auch als Komponistin wirkt. Konzertreisen führten sie u.a. in die USA, nach Frankreich und China.

2013 wurde Eva mit dem Leipziger Jazznachwuchspreis der Marion-Ermer-Stiftung ausgezeichnet, 2017 mit dem renommierten Westfalen-Jazzpreis im Rahmen des Internationalen Jazzfestivals Münster. 2018 wurde sie als Professorin für Jazzschlagzeug an die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover berufen.

Die Spielhaltung der Bandleaderin, die ihre Mannen durchaus auch mal kräftig nach vorne peitschen kann, wirkt sich auf das gesamte Quartett aus. Selten hat man junge Instrumentalisten so uneitel agieren gehört wie hier. Man lässt einander ungemein viel Platz und schert sich herzlich wenig um konventionelle Rollenverteilungen. Da schweigt das Gruppenoberhaupt am Anfang des Stücks „Sieben“ geschlagene anderthalb Minuten lang, während die anderen schon längst in voller Fahrt sind, da übernimmt der Bass selbstverständlich Themenaufgaben, da verkommen Soli nie zu lang andauernden Selbstdarstellungen, sondern werden durch Unisoni oder raschen Personalwechsel originell strukturiert. Dabei wirken die Kompositionen niemals verkopft oder bemüht kammermusikalisch, sondern steuern regelmäßig auf intensiv-zugängliche Mikro-Höhepunkte zu. Klesse hat zweifellos die perfekten Partner für ihre Philosophie gefunden: Der Deutschrusse Ring mit seinem Saxofon, das zwischen Jazztradition und osteuropäischen Einflüssen hin- und herschwenkt, Frischkorn mit seinem klassisch-romantischen Klavieransatz, Lucaciu mit seinen lautmalerischen Interventionen auf dem oftmals gestrichenen Bass. Gemeinsam setzt man den vielversprechenden Weg fort, der mit dem Debüt „Xenon“ unter anderem eine für deutsche Newcomer keineswegs selbstverständliche Einladung auf die Hauptbühne des Berliner Jazzfests nach sich zog.

Rondo über OBENLAND, 12/16

Beindruckend war auch der Auftritt der Schlagzeugerin Eva Klesse und ihrer Band. Die 30-jährige Musikerin bekam im Rahmen des Festivals für ihr hoch sensibles und sehr dynamisches Spiel und durch den sehr nuancenreichen und leicht zu identifizierbaren Gruppensound ihrer Band, den renommierten Westfalen-Jazzpreis verliehen.

Deutschlandradio Kultur über den Auftritt i.R.d. IJF Münster

Die aus Westfalen stammende Drummerin Eva Klesse trat mit ihrem hervorragenden Quartett als frisch gebackene Preisträgerin des „Westfalen-Jazz“-Preises auf, nahm mit langen organischen Bögen und schönen Melodien und neben ihrem eigenen, hochdynamischen Samtpfoten-Sound vor allem mit ungemein fein ineinandergreifendem Ensemble-Spiel gefangen.

Roland Spiegel, BR, über das  Konzert i.R.d. Internationalen Jazzfestivals Münster

Dank vieler interessanter Melodien und Harmonien ist der Jazz des Eva Klesse Quartetts für unterschiedliche Hörer attraktiv und doch weit vom Mainstream entfernt. Das muss man erst mal hinbekommen.

Norbert Krampf, FAZ 11/16

Den nachhaltigsten Eindruck jedoch hinterließ die mit dem Preis „Westfalen-Jazz 2017“ geehrte Schlagzeugerin Eva Klesse – Dienstagabend schon wieder in Starbesetzung im Domicil Dortmund zu hören. Mit wunderschön von Saxofonist Evgeny Ring und Pianist Philip Frischkorn erzählten Geschichten, die sie delikat in geradezu altmeisterlicher Raffinesse auf Cymbals und Toms untermalte. Eine reife Leistung auf Weltniveau!

WAZ  über den Auftritt i.R.d. Internationalen Jazzfestivals Münster

…was die Schlagzeugerin Eva Klesse und ihr Team entwickeln, (…) ist in sich reife, klug durchdachte und zugleich empathisch gespielte Musik.

Audio

Das Konzept funktionierte (…), auch und vor allem der exuzellenten Band wegen, die mit Schlagzeugerin Eva Klesse vielleicht die beste Solistin dieser Tage in ihren Reihen hatte.

Mitteldeutsche Zeitung, Ulrich Steinmetzger

Das ist nicht einfach noch eine junge Band, das ist ein vom ersten bis zum letzten Ton ausgewogenes Reifezeugnis, das staunen lässt und Lust auf immer mehr macht. Alles fließt ausgewogen, eifert nicht dabei, sondern hat eine Reife, die an Cool Jazz denken lassen könnte, würden nicht so viele verblüffende Wendungen die Ereignisse durchziehen. Wundervolle Melodien werden immer wieder und immer anders aufgeraut in diesem Leipziger Quartett.Eva Klesse ist eine vom Schlagzeug aus dezent lenkende Leaderin, Pianist Philip Frischkorn kommt von der klassischen Romantik, Saxofonist Evgeny Ring von der Jazzbasis, Bassist Robert Lucaciu ist einmal mehr Mittler zwischen freier Improvisation und swingendem Vorangehen. In der Summe gibt das betörende Musik, wunderschön und ohne Kitschverdacht – ein erstaunliches Debüt.

Ulrich Steinmetzger über XENON, LVZ 11/2014