Julia Hülsmann

Julia Hülsmann

JULIA HÜLSMANN  piano solo

Duo

with

CHRISTOPHER DELL  vibraphone

Last Chance To Misbehave

with

CANSU TANRIKULU  voice

MIA KNOP JACOBSEN  voice

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Julia Hülsmann Trio

JULIA HÜLSMANN    piano

MARC MUELLBAUER   double bass

HEINRICH KÖBBERLING   drums

Quartet

with

ULI KEMPENDORFF  tenor saxophone

Beatles Project

with

THEO BLECKMANN  voice

BEN MONDER  guitar

Stagnation ist ein Fremdwort für Julia Hülsmann. Mit ihrem Trio, welches in den letzten 17 Jahren des Bestehens nicht nur einen gemeinsamen Atem gefunden hat sondern ganz nebenbei auch den zeitgenössischen Jazz des Landes geprägt hat mit seinem essentiellen und herrlich offenen Stil, hat sie erst 2017 das Album „Sooner And Later“ bei ECM veröffentlicht. Nachdem die Pianistin immer wieder das Trio erweitert hatte um Instrumentalisten oder Sänger, war es an der Zeit zum Ursprung zurückzukehren und die vielen gemeinsamen Reisen zu verarbeiten. „Fern jeglicher Innerlichkeitsduselei erblühen hinreißende Sounds und Tonfolgen in einem magischen Spannungsfeld von schlichter Nüchternheit und trunkenem Schwärmen“ schrieb RONDO im März 2017 dazu und brachte den Charakter von „Sooner und Later“ auf den Punkt.

Quartett

Für ihr siebtes Album bei ECM hatte Julia Hülsmann eine neue Klangfarbe vor Augen, die Uli Kempendorff am Tenorsaxophon beisteuert. Ihn kennen alle drei Musiker seit vielen Jahren, haben schon in den unterschiedlichsten Konstellationen mit ihm gespielt. Mit seinen eigenen Formationen eher in der Avantgarde zuhause, verbieten jedoch Kempendorffs offener Geist und seine Neugier jedes Schubladendenken und jede Einordnung und Jazzthetik bemerkte in Kempendorffs Spiel, dass „sowohl Geschmeidigkeit als auch Ungezwungenheit im Überfluss vorhanden sind“, womit er dem Konzept der Hülsmann-Gruppe neue Energie verleiht. 

Jedes Mitglied des Quartetts steuert originale Kompositionen bei. Ergänzt wird das Repertoire durch ein aktuelles Cover von „This Is Not America“,

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der 1980er-Hit-Single von David Bowie, die auf dem Album in einer Quartettversion und einer Solo-Klaviervariation erscheint. Julia Hülsmann hat es wieder geschafft, sich gleichzeitig treu zu bleiben, ihren Bandsound auf ein neues Level zu heben und den Spannungsbogen weiter zu halten. Was für eine Freude, Zeuge dieser permanenten Transformation und Weiterentwicklung zu sein. 

„Not Far From Here“ wurde im März 2019 in den Studios La Buissonne in Südfrankreich aufgenommen und erschien am 1. November 2019 bei ECM. 

Trio

Julia Hülsmann und ihr Trio sind aus dem deutschen Jazz nicht wegzudenken: seit nunmehr über 17 Jahren gibt es diese Formation, und sie hat Eindrücke hinterlassen. Die enorme Bandbreite des Trios um die Pianistin, Marc Muellbauer (bass) und Heinrich Köbberling (drums) ist beeindruckend, und dennoch ist sein Stil unverkennbar: essentiell, verdichtet und dabei herrlich offen. Nach dem großen Erfolg von „The End Of A Summer“ (ECM, 2008) veröffentlichte das Trio drei Jahre später die nächste CD:

„Imprint“ (ECM, 2011) manifestiert den Charakter des Trios und zeigt eine große Intensität und Deutlichkeit. Die Töne singen und sitzen, genau so und nicht anders; und die Musik ist auf ihre Essenz entspannt, ohne auf intensive und treibende Grooves zu verzichten.

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Mit ihrem sechsten ECM-Album „Sooner And Later“ , veröffentlicht im Februar 2017, kehrte Julia Hülsmann nach zwischenzeitlichen Veröffentlichungen mit ihrem Quartett und Quintett zum Trio-Format zurück. Doch Julia Hülsmann weist darauf hin, dass ihre beiden langjährigen Partner im Trio, Bassist Marc Muellbauer und Schlagzeuger Heinrich Köbberling, in die meisten dieser Aktivitäten eingebunden waren. Zudem unternahm das Julia Hülsmann Trio zwischendrin immer wieder weite Reisen – etwa in die USA, nach Kanada, Peru, Zentralasien und China – „da hat sich bei uns etwas verändert. Auf Reisen gewinnt man ja ohnehin häufig neue Perspektiven, und auch unter langjährigen Vertrauten erlebt man sich gegenseitig nochmal anders. Das hat uns geholfen, musikalisch nochmal auf eine neue Ebene zu kommen.“

„Sooner And Later“ wurde im September 2016 im Rainbow Studio in Oslo aufgenommen und von Manfred Eicher produziert. 

Last Chance To Misbehave

Geballte Frauenenergie verspricht Julia Hülsmanns neues Projekt „Last Chance To Misbehave“ mit den Sängerinnen Ayse Cansu Tanrikulu und Mia Knop Jacobsen. Auf einer Bühne kommen also zusammen: Eine Pianistin, die kürzlich ihr 7. Album bei ECM veröffentlichte und seit Jahren Aushängeschild für deutschen zeitgenössischen Jazz ist, eine Sängerin/Komponistin/Performerin aus Ankara, die mittlerweile ein wichtiger Teil der Berliner Jazz- und Improvisationsszene ist und bekannt ist für ihre ungewöhnliche und genregrenzensprengende Konzeption neuer Projekte, und eine dänische Sängerin/Komponistin, die sowohl im Jazz als auch im Alternative Rock/Pop zuhause ist, mit ihren eigenen Projekten international unterwegs ist und auch als Backing Vocal mit Musikern wie Quincy Jones, George Benson und Jacob Collier auf der Bühne stand.

Julia Hülsmann beweist damit wieder einmal ihr außergewöhnlich gutes Gespür bei der Auswahl von Stimmen, mit denen sie zusammenarbeiten möchte, und bringt hier zwei völlig unterschiedliche und dabei so hervorragend harmonierende Sängerinnen unter einen Hut.

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Dieses Frauentrio kreiert einen musikalischen Kosmos um Poesie, lyrische Bilder und Landschaften und bewegt sich dabei höchst frei im überraschend großzügigen Rahmen, den zwei Stimmen und ein singendes Klavier setzen können. Jedes Bandmitglied schreibt gezielt für diese Besetzung. Die ganz unterschiedlichen Kompositionsstile der einzelnen Bandmitgliederinnen fließen zusammen und kreieren einen einheitlichen Bandsound, welcher sich in den Eigenkompositionen und vereinzelten Cover Songs wiederspiegelt – dabei wird letzteren ein neuer und oft ironisch-zweideutiger Touch verpasst. Der Fokus liegt auf Originalität, und die kreiert das Trio im stilistischen Feld zwischen Jazz, Folk und experimenteller Musik, während es Lyrik von Shakespeare bis Beaumont vertont –  so, wie man es vorher noch nicht gehört hat.

Beatles-Projekt

Für das Deutsche Jazzfestival in Frankfurt 2016 nahm Julia Hülsmann eine große Herausforderung an, nämlich die, Songs der Beatles neu zu interpretierenBei ihr mischten sich in die Freude über den Vorschlag aus Frankfurt – „ich bin schon immer Beatles-Fan gewesen und mit ihrer Musik groß geworden“ – auch gleich die Bedenken, ob das nicht schon zu oft versucht worden wäre und ob die Originale nicht zu stark seien. In der Tat haben sich viele Jazzmusiker an diesem Kanon abgearbeitet, ohne den richtigen Zugang zu finden. Oft verschwand die Vorlage unter der Last harmonischer Abstraktion oder virtuoser Improvisation und oft blieb auch die swingende Aneignung weit hinter dem kreativen Genius des Originals zurück. Bei Hülsmann ist weder das Eine noch das Andere zu befürchten. „Lieber als sich selbst inszeniert sie andere“, bemerkte Peter Rüedi einmal in der ZEIT. Für das Beatles-Projekt wählte Julia Hülsmann zu ihrem bewährten Trio als Sänger wieder Theo Bleckmann – sie glaubt, „Theo ist einer, der die Songs der Beatles neu singen kann.“

Die für ein Beatles-Projekt irgendwie doch unverzichtbaren Gitarrensounds liefert Ben Monder. Der feinsinnige New Yorker mit seiner delikaten Klangsprache zwischen „electric bebop“ und ätherischen Klangflächen hat nicht nur Jazzstars wie Paul Motian oder Lee Konitz begleitet, sondern auch die Gitarrenparts zu David Bowies Album „Blackstar“ beigesteuert und bildet schon lange mit Theo Bleckmann ein kreatives Tandem.

Beatles Projekt JH Frankfurt 29.10.16

copyright hr/Sasha Rheker

Mit diesem erlesenen Team bringt Julia Hülsmann die Songs der Beatles aus der Perspektive des heutigen Jazz neu zum Leuchten und sorgt für eine „musikalisch-poetische Sternstunde mit einem lyrischen Ausdruck, wie man ihn selten erlebt. (…) Ihre Arrangements zielen auf den emotionalen Gehalt, die Atmosphäre, den Gestus dieser Musik. Man meinte, zu spüren, wie die Klangquellen aus dem Klavier, der Gitarre und vom variablen Gesang die Songs in einen neuen Aggregatzustand verwandeln. Aus den Wassermolekülen der Lieder entwich Dampf, der sich zu einer Klangwolke verdichtete. Wolke sieben: Mehr geht nicht.“ (Wolfgang Sandner über das Konzert i.R.d. Deutschen Jazzfestivals Frankfurt 2016, FAZ)

Julia Hülsmann begann im Alter von elf Jahren mit dem Klavierspiel und formierte mit 16 Jahren ihre erste Band. 1991 zog sie nach Berlin, wo sie im Bundesjugendjazzorchester unter Peter Herbolzheimer spielte. Nach ihrem Studienabschluß an der Hochschule der Künste Berlin gründete sie 1996 das Julia Hülsmann Trio. Seit vielen Jahren arbeitet sie mit Worten und spürt in Zusammenarbeit mit Sängern wie Rebekka Bakken oder Roger Cicero die darin verborgene Musik auf. Julia Hülsmann ist vielseitig engagiert und war 2014 „Improviser in Residence“ in Moers. Sie ist Trägerin des SWR-Jazzpreises 2016.

Theo Bleckmann ist multidisziplinär in Perspektive und Erfahrung. Mit A Clear Midnight gab er sein ECM-Debüt in einem Jazzkontext. Seit 1989 lebt er in New York, wo er schon früh von der großen Jazzsängerin Sheila Jordan gefördert wurde. Seine sängerische Bandbreite reicht von Charles Ives über Kate-Bush Songs bis hin zu Shakespeare-Sonetten und Projekten mit Improvisatoren aller Idiome. Im Juni 2015 trat er als „Artist in Residence“ im New Yorker „The Stone“ in verschiedenen Besetzungen auf, unter anderem mit dem Hülsmann Quartett.

Bassist Marc Muellbauer leitet seine eigene neunköpfige Band Kaleidoscope und hat ein eigenes Trio (siehe Wood & Steel Trio). Sein musikalischer Background reicht von Neuer Musik bis zum argentinischen Tango, er ist außerdem in einer Reihe von weiteren Jazzbands als Sideman aktiv, darunter das Lisbeth Quartett und das Uli Kempdendorff Quartett. Muellbauer lehrt Kontrabass am Jazz-Institut Berlin.

Schlagzeuger Heinrich Köbberling hat mit Aki Takase, Ernie Watts, Anat Fort, Richie Beirach und vielen anderen gearbeitet und ist auf rund 50 Jazzaufnahmen zu hören. Auf seinem eigenen Album „Pieces“ (1997) begleiteten ihn u.a. Marc Johnson und Ben Monder. Köbberling lehrt Schlagzeug an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig.

Der 1962 in New York geborene Jazzgitarrist Ben Monder studierte an der University of Miami und am Queens College und lebt in New York, wo er mit unzähligen bekannten Musikern auftrat. Er hat als Sideman bei über 130 CD-Produktionen mitgewirkt und sechs unter eigenem Namen herausgebracht. 2014 wurde er mit dem Doris Duke Artist Award ausgezeichnet.  Ben Monder spielte Gitarre auf David Bowie´s letztem Album „Blackstar“, welches 2016 veröffentlicht wurde.

Christopher Dell studierte Vibraphon, Schlagzeug und Komposition und ist als Ausnahmemusiker gefragter Gastsolist, spielt aber auch erfolgreich mit eigenen Formationen, z.B. im Trio D.R.A. Dell leitet außerdem seit 2000 das „Institut für Improvisationstechnologie“ in Berlin und lehrt seit 2017 Städtebau und Stadterneuerung an der UdK Berlin.

Julia Hülsmann jedenfalls wirkte bisweilen geradezu befreit, schien etwa in der Komposition „No Game“ vollgriffig nach Motiven und Zusammenklängen zu suchen, die der geniale Thelonious Monk irgendwo tief in den Tasten vergraben hat und die nur bei musikalischer Gleichgestimmtheit gehoben werden können. Es war eine packende Bebop-Exkursion als Höhepunkt einer Reihe unterschiedlichster Stücke zwischen Monks Mysterien und Hülsmanns Elegien, angereichert mit klaren Basskonturen von Marc Muellbauer, unaufdringlich auf Zusammenhalt achtenden Schlagmustern von Heinrich Köbberling und einem wundersamen Tenorsaxophon von Uli Kempendorff, das mit seinen schön geschwungenen, hohen Melismen den Anspruch anmeldete, ein Altsaxophon sein zu wollen. Was kein Fehler sein muss. Es gab immer Jazzmusiker, die scheinbar gegen ihr Instrument opponierten und damit Neues hervorgebracht haben. In der Stadt Albert Mangelsdorffs, des Widerstandkämpfers gegen die sperrige Posaune, weiß man so etwas.

Wolfgang Sandner über das Konzert des neuen Quartetts im Frankfurter Palmengarten, FAZ 07/2019

Sooner And Later’ is an album that grows in appeal with repeated listening. The trio masters interplay and while that dynamic takes precedence over solo time, there are numerous opportunities to appreciate each of the players individually. The quieter moments are warm and enveloping, each with a distinct personality. Where the trio displays their more energetic side, they show a brilliance for creating complex and highly engaging melodies. ‘Sooner And Later’ is a significant achievement for a trio that had set a high bar, long ago.

Karl Ackermann, allaboutjazz.com 03/2017 

With intriguing harmonic figures, and a never too emphatic timbre, her pianism has the effect of lightly dancing above the firm ground of Marc Muellbauer’s stoic and sovereign bass and Heinrich Köbberling’s playful tidal drum work. Her music is rather sparing, essential and of understated clarity rather than abundant. With the work on her newest album Soon And Later Hülsmann is back in the deep mold she carved with her trio through the years. Her clear light strokes true to the sound and the almost autonomously spreading of her lines effortlessly took space and time during the 30 minutes of the showcase indicating which blossoming would be possible in a longer stretch. She apparently reached a higher level in the expression of her and her trio’s very own approach.

Henning Bolte about the showcase concert @ Jazzahead! 2017 for allaboutjazz.com, 05/2017

Wie man mit geschichtsträchtigen, man könnte auch sagen: solchen wie mit der Erbsünde belasteten Klängen angemessen umgeht, (…) (Anm.:hat man) bei Julia Hülsmann studieren können, die mit ihrem Trio und Gästen ebenfalls Beatles-Songs neu arrangiert hat. Es war eine musikalisch-poetische Sternstunde, mit einem lyrischen Ausdruck, wie man ihn selten erlebt. Die Pianistin Julia Hülsmann hat mit dem schlafwandlerisch sicheren, mondtrunkenen Sänger Theo Bleckmann und dem sensibel-introvertierten Gitarristen Ben Monder nicht die glänzenden Songhüllen der Beatles vertont. Ihre Arrangements zielen auf den emotionalen Gehalt, die Atmosphäre, den Gestus dieser Musik. Man meinte, zu spüren, wie die Klangquellen aus dem Klavier, der Gitarre und vom variablen Gesang die Songs in einen neuen Aggregatzustand verwandeln. Aus den Wassermolekülen der Lieder entwich Dampf, der sich zu einer Klangwolke verdichtete. Wolke sieben: Mehr geht nicht.

Wolfgang Sandner, FAZ 10/16

Julia Hülsmann ist als Pianistin und Komponistin eine Lyrikerin. Sie sucht die knappe Form mit langem Nachhall, nicht die große erzählerische Geste. Dabei scheut sie jede Art von Tiefenschwindel. Vor Popsongs schreckt sie keineswegs zurück, auf ihrer jüngsten CD interpretiert sie neben sechs eigenen und drei Titeln ihrer Partner auch einen solchen, Seals Kiss From A Rose. Er klingt wie von ihr erfunden – und ihre Originale klingen wie Standards. (…) Atem, Raum, Sparsamkeit sind überhaupt Stichworte für ihre Musik. Durchsichtigkeit der Interaktion im Kollektiv. (…) Hülsmann lässt sich von Gefühlen nicht um den Verstand bringen, aber sie lässt sie zu, sozusagen als Korrektiv ihres Hangs zum transparenten Konstruktivismus. Gefühle, zuweilen auch melancholisch eingedunkelte. Nicht: Sentimentalitäten.“

   PETER RÜEDI, DIE ZEIT

Aber man konnte im Programm schon ein gewisses Plus an „Give and take“-Passagen ausmachen – ganz besonders bei dem glänzenden Auftritt von Julia Hülsmann. „An das Licht, das durch die Blätter der Bäume scheint“ heißt eine ihrer Kompositionen. Die Bandbreite ihres mit zwei Bläsern und Rhythmusgruppe besetzten Ensembles reicht von solcherart spätromantischen Impressionen über kontrapunktische V erarbeitungen bis hin zu kaum zu bändigender tänzerischer Bewegungslust und zum Free Jazz – ein würdiger Auftakt der Konzerte im Haus der Berliner Festspiele.

Ulrich Olshausen, FAZ 11/16

Der Pianistin Julia Hülsmann gelingt auch auf ihrer zweiten CD für ECM das Kunststück, das Schöne und Schlichte mit dem Sinn für Klangfarben und Nuancen intelligent zu vereinen. Nicht um verblüffende Technik und Schnelligkeit ist ihr zu tun, sie überzeugt durch klangschönen Ausdruck und subtile Differenzen. (…) Und selbst in stärker groovebetonten Titeln fühlt man sich eher an entspanntes Schweben als an bodenständige Bewegung erinnert.

    JAZZPODIUM

Die Begegnung mit dem Sänger Theo Bleckmann, dessen verhaltener Gesang in dem Weill-Projekt wie ein Spiegel wirkt für Julia Hülsmanns eigene musikalische Vorgehensweise, gibt ihrer Musik noch einmal klarere Konturen. Bleckmann, ein virtuoser Stimmkünstler an den Schnittpunkten zwischen Pop und Performance, Jazz und Improvisation, neuer Musik und Filmmusik versteht es, in das musikalische Gewebe zurückzutreten und nicht mehr vom Vordergrund zu beanspruchen als nötig – ein weiterer Prototyp dieser Art von improvisatorischer Kommunikation. Je weniger die einzelnen Musiker den Platz an der Rampe für sich beanspruchen, desto klarer wird, dass ihre Kunst der Zurückhaltung ein besonders perfides Mittel ist, den Hörer immer tiefer in die Welt dieser Musik hineinzuziehen.

Stefan Hentz, DIE ZEIT

The album, Hülsmann’s sixth for ECM, tacks toward visitations that come and go in unconventional ways. The writing serves the purposes of melody most often, with improvising subtle and understated. Muellbauer’s “ The Poet (For Ali)” begins modestly, only to build in intensity with the album’s strongest rhythmic pulse. One of the album’s liveliest numbers comes with Hülsmann’s bouncy, slightly funky “J.J.” The song’s theme conveys the band’s playful sides, the tune ultimately rolling into the album’s most delicious song.

John Ephland, DOWNBEAT MAGAZINE, 07/2017