Kalle Kalima

Flying Like Eagles

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Kalle Kalima   electric guitar

Knut Reiersrud   resonator, electric & lap steel guitar, harmonica

Phil Donkin   bass

Jim Black   drums

 Alle Stücke gelingen mit ihrer Jazz-Lesart von US-Roots- Music fantastisch: Songdienliche, niemals eitle Soli, ein lässiger Quartett-Sound, ein wunderbar erdiges Klangbild – ja, die Platte der Skandinavier kann mit den besten Folk-Jazz-Alben des großen Bill Frisell wie «Good Dog Happpy Man» von 1999 mithalten.

Stern 10/2019

Szenen aus Jack Kerouacs Kultroman „Unterwegs“ oder dem Roadmovie „Easy Rider“, die von Freiheit und Ursprünglichkeit erzählen, mögen vor dem inneren Auge vorbeiziehen, wenn man „Flying Like Eagles“ hört. Was vor allem am musikalischen Ausgangsmaterial liegt: Traditionelle amerikanische Roots Music, teilweise indianischen Ursprungs, wird hier interpretiert, erweitert um ein paar Songklassiker, die diesen Spirit ebenfalls in sich tragen.

Die Herkunft der Protagonisten des Albums überrascht, aber es ist nur scheinbar ein Widerspruch, dass die beiden Gitarristen nicht aus den amerikanischen Südstaaten, sondern aus Skandinavien stammen. Der Finne Kalle Kalima hat schon als Teenager eine Leidenschaft für die Traditional American Folk Music entwickelt. Während seines Musikstudiums hat e rdann ein Austauschjahr in Chicago verbracht und ist tief in die dortige Szene eingetaucht. In der Folge ist Kalima immer wieder darauf zurückgekommen, zuletzt bei seinem Americana-Jazz Projekt „High Noon“. Dass auch die Norweger den Blues haben, zeigt Knut Reiersrud bereits sein ganzes Leben lang. Nachdem ihn Buddy Guy und Otis Rush mit 18 Jahren entdeckten, wurden die USA zu seiner musikalischen Heimat. Er spielte mit amerikanischen Musikgrößen wie Dr. John, Stevie Ray Vaughan, den Blind Boys of Alabama und dem afroamerikanischen Soulsänger Mighty Sam McClain.

Kalima und Reiersrud sind zwei Gitarristen, die sich perfekt ergänzen – der eine vom Jazz und Rock kommend, der andere vom Blues und der Weltmusik. Von Siggi Loch, der die Idee zu dem Album hatte, zusammengebracht, entstand im Studio schnell ein natürlicher Flow. Meist übernahm Kalima die Melodie-Parts und Knut ist mit seinen diversen Gitarren für die vielen Farben, Sounds und Klangschichtungen verantwortlich. Es war ihnen wichtig, dass die Musik sehr ursprünglich klingt, darum haben sie im Vorfeld wenig festgelegt und auf den Prozess des Spielens vertraut. Das Album sollte einen Jam-Charakter erhalten.

Und so ist „Flying Like Eagles“ ein waschechtes Gitarrenalbum geworden, bei dem Kalima und Reiersrud die vielfältigen Möglichkeiten ihrer Instrumente ausloten. Dass es so frisch, intuitiv und authentisch klingt, liegt auch an der erstklassigen Rhythm Section: Phil Donkin am Bass und der Schlagzeuger Jim Black sind gefragte Protagonisten der New Yorker Szene. 

In der Konstellation dieser wendigen Musiker gelang es, den eigentlich vom Gesang bestimmten Stücken und archaischen Melodien ein Eigenleben zu geben. „Viele der Stücke auf dem Album stammen von Völkern und Minderheiten, die im Einklang und tiefer Verbundenheit mit der Natur lebten. Dieses Album ist auch eine Ehrerweisung an sie“, betont Reiersrud. Eine Botschaft, die heute aktueller denn je ist.

Mögen die Adler noch lange fliegen…

„Flying Like Eagles“ erschien am 30. August 2019 bei ACT.

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Außer Bezügen zur Folk-Musik rücken auch Pop-Klassiker wie „Hotel California“ ins Geschehen. Kalima und Reiersrud geben dem Hit der Eagles mit bestechenden Motiven und der Einbindung einer westafrikanischen Melodie einen anderen Ausdruck. Und die von dem Country-Sänger Johnny Cash wie eine Lebensbeichte vorgetragene Ballade „Hurt“ wird von den beiden Gitarristen sowie durch Reiersruds bluesigen Mundharmonika-Einsatz in ein rockiges Umfeld überführt. Ein Fest für Gitarren-Freaks!

Fono Forum 09/2019

Manches hier mag als Neuübersetzung herüberkommen, manches als Annexion. Er jedenfalls wollte, meinte Kalima 2016 (…), etwas aus jenen Songs „herauskitzeln, ohne den Kern kaputt zu machen“. Das ist ihm, Reiersrud, Donkin und Black hier sehr wohl gelungen.

Jazzpodium 10/2019

Wer Vergleiche benötigt, der dürfte bei Bill Frisell und Marc Ribot gut aufgehoben sein, ist deren Reduktion auf das Wesentliche doch auch hier für Kalimas und Reiersruds Country-Jazz die höchste Priorität. Sieben Songs, in denen dieses Quartett die Seele der Musik zum Leuchten bringt!

Jazzthetik 09-10/2019