Luise Volkmann

Autochrom

Luise Volkmann   altosax

Athina Kontou  bass

Max Santner  drums

volkmann04_h

 Die Musik {setzt} ein tänzerisches Denken frei, adressiert Körperlichkeit und Gedankenfluss in einer einzigen Bewegung. Ein so herausforderndes wie im besten Sinne aufregendes Debüt.

Harry Schmidt, Jazzthetik, über RGB von Autochrom

Été Large

Luise Volkmann   compositions, altosax

Casey Moir  voice

Laurin Oppermann  voice

Vincent  Bababoutilabo  flute

Gabriel Boyault  tenorsax

Jedrzej Lagodzinski  baritonesax

Erik Kimestad Pedersen  trumpet

Janning Trumann  trombone

Johanna Stein  cello

Athina Kontou  bass

Yannick Lestra  piano

Paul Jarret  guitar

Max Santner  drums

Autochrom

Wie bringt man drei komplementäre Elemente so in Übereinstimmung, dass ein neues symbiotisches Ganzes daraus entsteht? Ein Verfahren der frühen Farbfotografie gibt Aufschluss. Die auf die Gebrüder Lumière am Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgehende Technik „Autochrome“ basiert darauf, dass aus der Rasterung der drei Farben Rot, Blau und Grün alle anderen Farben abgeleitet werden und so komplexe Farbfotos erstellt werden können.

Autochrom heißt auch das neue Trio der Saxofonistin Luise Isabel Volkmann mit Bassistin Athina Kontou und Schlagzeuger Max Santner, dessen Musik sich am besten mit einer komplemäntären Symbiose beschreiben lässt. Was liegt also näher, als das gemeinsame Debütalbum „RGB“ zu betiteln? Volkmann selbst steht dabei für Rot, Kontou für Grün und Santner für Blau. Ausgangpunkt für das Trio war Luise Volkmanns Großformation été large, mit der die Komponistin und Saxofonstin 2017 das epische Album „Eudemonia“ rausbrachte. Als sie sich nach dem großen für das kleine Format entschied, nahm sie die beiden auf den neuen Weg mit. Topografisches, Biografisches und Persönliches verdichtet sich auf „RGB“ zu einer feinkörnigen Momentaufnahme, in der sich jeder einzelne Aspekt im Gesamtbild auflöst.

Als lebenshungrige Musikerin hat Volkmann ein Faible für Anekdoten, egal, ob sie aus Filmen, Büchern, Comics oder der eigenen Alltagswahrnehmung kommen. Überall greift sie auf, was sie umtreibt, im Persönlichen ebenso wie im Globalen. Ihre musikalischen Geschichten haben stets einen Hintergrund.

Wenn sie mit ihren beiden Gespielen ins Musizieren kommt, vergisst man ganz schnell, welche Instrumente man hört. Alle drei leisten ihre Beiträge, übernehmen intuitiv Verantwortung, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Der spielerische Impuls wechselt unablässig zwischen den drei Protagonisten. Im Mittelpunkt steht zu jedem Zeitpunkt die Geschichte, und die drei musikalischen Grundfarben dienen dazu, sie bestmöglich abzubilden. „Als Komponistin interessiert mich der Klangkörper mehr als Solisten“, so Volkmann. „Von meiner menschlichen und ideologischen Ausrichtung ausgehend, glaube ich an Kollektivität und Gemeinschaft. Die Gesellschaft konzentriert sich viel zu sehr auf den Einzelnen. Auch im Jazz geht es immer um die Bandleader. Mir ist es viel wichtiger, dass es wie im Rock Bands gibt, die selbst als Klangkörper funktionieren. In der Probenphase haben wir hart daran gearbeitet, dass jeder seine Verantwortung wahrnimmt.“

_DSC8242

Auf dem Weg zu dieser Kollektivität hat das Trio viel Klangforschung betrieben. Dabei kamen unterschiedlichste Fragen auf, deren Antworten akribisch gesucht wurden. Wie kann das Saxofon ähnlich klingen wie der gestrichene Bass? Wie kann man auf dem Becken quietschen wie auf dem Saxofon? Es ging nicht um Abgrenzung, sondern um Verschmelzung der verschiedenen Klangquellen. Musik als Prozess der Integration, genau wie bei den Farbpigmenten einer autochromen Fotografie.

Der Verschmelzungsprozess geht aber noch tiefer, und hier kommt ein weiterer philosophischer Aspekt ins Spiel. Im Jazz treffen die meisten Musikerpersönlichkeiten eine Grundentscheidung für eine abstrakte oder eine dem Leben abgelauschte Spielart. Bei Autochrom setzt sich eine intellektuelle Alltäglichkeit durch, die man in dieser Selbstverständlichkeit nur ganz selten findet. Die Songs sind höchst alltagskompatibel, ohne Abstriche an den abstrakten Momenten zu machen.

Hinzu kommt eine verspielte Ernsthaftigkeit oder ernsthafte Verspieltheit – ganz, wie man will, denn daraus ergeben sich zwei gegensätzliche Bewegungsrichtungen, die aber auf denselben Punkt hinauslaufen. Alle drei nehmen ihre Musik sehr ernst und haben gerade deshalb sehr viel Spaß an ihr. So klingen die Stücke bei all den unterschiedlichen Ideen und Beweggründen, die hier sehr fein verwoben werden, sehr spontan und kompakt.

Aber genug der Worte. Die Musik von Autochrom braucht keinen Beipackzettel, denn sie erzählt ihre Geschichte selbst. Ohren auf und durch, dann weiß man alles über diese Musik, was es zu sagen gibt.

stern_gr

Été Large

Die Zeiten, in denen kleine Formationen Combos und große Ensembles im Jazz unweigerlich Big Bands waren, sind gottlob ebenso lange vorbei, wie jene, in denen Jazzmusiker sich entscheiden mussten, ob sie frei oder traditionell spielen wollen. Das Spektrum der Kombinationen und Gestaltungsebenen im Jazz hat sich universal erweitert. Das Debut-Album „Eudaimonia“ von Luise Volkmanns Été Large, erschienen 2017 (nwog records) beschreibt diesen glückseligen Tummelplatz der unbegrenzten Ausdrucksmöglichkeiten auf sehr unterhaltsame Weise.

Der Begriff Eudaimonie kommt aus der griechischen Antike und beschreibt grob umrissen einen ausgeglichenen Gemütszustand aufgrund gelungener Lebensführung. So zeichnete die passionierte Geschichtenerzählerin auf „Eudaimonia“ Porträts von Menschen, die für ihr eigenes Leben Lösungen gefunden und Luise Volkmann auf diese Weise inspiriert haben. Am Ende dieses Prozesses steht eine nicht alltägliche Musik, die unprätentiös den Alltag einfängt. Oder um es mit den Worten der Saxofonistin zu sagen, „eine menschliche Musik“. Die Kompositionen sind von großer Komplexität und noch größerer Formenvielfalt, und doch sind sie in ihrer erzählerischen Struktur einfach nachvollziehbar, abwechslungsreich und kurzweilig.

Diese ungewöhnliche, spannende und verheißungsvoll Debüt-CD wurde von der Wochenzeitung ZEIT zu einem der besten Alben 2017 gewählt.

Ete_Large_web

Im November nun erscheint das zweite Album von Été Large: „When The Birds Upraise The Choir“. Die Idee zu dazu hatte sie schon lange im Hinterkopf, als Fortsetzung des Porträt-Konzepts der Vorgängerplatte. Diesmal nahm sie Inspiration und Energie aus ihrer Verbindung zu ihren Eltern, speziell zu ihrem Vater – und schuf eine Hommage an die 68er Generation.

Einerseits das Freiheitsstreben, andererseits das Solidaritätsgefühl sind herausragende Charakteristika dieser Generation. Diese Haltung und die Rock-Musik der 1970er Jahre sind für Luise Volkmann ein wichtiger Ausgangspunkt. Ihre Faszination reicht von der Protestmusik der Woodstock-Ära bis zur destruktiven Urkraft des Punk. Wer ihre Songs zwischen Frank Zappa, Punk und Carla Bley verorten will, liegt bestimmt nicht falsch, obwohl das gar nicht unbedingt den Intentionen der Kölnerin entsprechen muss. Die spezielle Mischung aus jugendlichem Leichtsinn, spontanem Aktivismus und dem existenziellen Druck hinter jeder Aussage findet sie bis heute berührend, doch zugleich ist sie sich bewusst, dass sie kein Kind jener Epoche ist. Sie findet ihre eigenen Formeln, um im Hier und Jetzt zu jener scheinbar verschütteten Intensität zu gelangen, mit der Musik damals die Welt verändern konnte. Diese Formeln setzt sie mit dreizehn Musiker*Innen aus Deutschland, Frankreich und Skandinavien um. Alle Mitglieder ihrer Band sind zwar ausgewiesene Cracks auf ihren Instrumenten, doch jedes einzelne von ihnen weiß seine Eitelkeiten hinter dem Kollektiv zurückzustellen. Es geht um die gebündelte Inbrunst der gesamten Formation.

Auf „When The Birds Upraise The Choir” bricht Luise Volkmann mit allen Erwartungen. Sicher lassen sich historische oder aktuelle Bezüge zu anderen Großformationen herstellen, doch genau genommen ist dieses Album ohne Beispiel. Es definiert nicht nur sein eigenes Genre jenseits des Dreiecks aus freiem Jazz, progressivem Rock und avantgardistischer Kammermusik, sondern es stellt wieder die Verantwortung des Künstlers gegenüber der Gesellschaft in den Mittelpunkt. 

Uns Erwachsenen ist das Gefühl der rücksichtslosen Produktivität des kreativen Augenblicks weitgehend verloren gegangen, doch wenn man sich das neue Album von Luise Volkmann anhört, dann drängt sich vom ersten Augenblick an dieses eine Bild auf: da ist ein riesiger Pool dreckigen Wassers, und die Bandleaderin springt mit ihrer gesamten Meute mitten hinein, dass es nach allen Seiten spritzt.

Für entdeckungswürdige Glücksmomente, die sich nicht zuletzt aus neutönerischer Spielfreude speisen, sorgt (…) Luise Volkmann mit ihrem Debüt „Eudaimonia“, wo die zwischen delikatem Minimalismus und freier Improvisation wirkmächtig leuchtenden Klangflächen ihres zwölfköpfigen Ensembles Été Large von zwei Vokalistinnen überglänzt werden. Ein starkes Statement, faszinierend detailreich und erfrischend modern.

Sven Thielmann, Hifi & Records

Beim Hören fühlt man sich mitgenommen auf einen Spaziergang durch wunderliche Welten. 

Thomas Volkmann, JazzPodium

Vom Start weg ist klar, dass in diesem Trio niemals die auf der Hand liegenden Ideen überstrapaziert werden, sondern immer wieder überraschend und sehr souverän neu und anders abgebogen wird.
LVZ, Ulrich Steinmetzger, Leipzig
Was Volkmann (…) mithilfe ihrer zwölfköpfigen Formation Été Large eingespielt und aufgenommen hat, fügt sich zu einem der poetischsten, aufregendsten, ja spannendsten Debütalbum seit Langem.

Harry Schmidt, Jazzthetik

Im forschend ausgreifenden Jazz eine Trinität aus Mut, Entdeckerfreude und Erzählbegabung. Aufreibend.
Märkische Allgemeine Zeitung

Prallsatt voller Emotionen und rhythmischer Raffinesse, brodelt die spannungsreiche Chose mit Luise Volkmanns vielseitig-virtuosem Altsax außergewöhnlich originell.

Sven Thielmann, Hifi & Records

Jazz der einem die Hirnwindungen erst verknotet und dann freispült. 

Kreuzer, Leipzig