Nils Wogram

NILS WOGRAM   trombone

Root 70

with

HAYDEN CHRISHOLM   alto saxophone

MATT PENMAN   bass

JOCHEN RÜCKERT   drums

Nils Wogram & Bojan Z

with

BOJAN Z   piano

Nils_Wogram(by_Ayse_Yavas)_kl

Nostalgia

with

ARNO KRIJGER  hammond, pedals

DEJAN TERZIC  drums

Septet

with

CLAUDIO PUNTIN  clarinet

TILMAN EHRHORN  tenor sax

STEPHAN MEINBERG  trumpet

STEFFEN SCHORN  bass clarinet

FRANK SPEER  alto sax

JOHN SCHRÖDER  drums

stern_gr

Dass Wogram ausgerechnet das Instrument Albert Mangelsdorffs, die Posaune, mit einer Virutosität beherrscht und einer Tollkühnheit einsetzt wie weltweit kaum ein Zweiter seiner Generation, trägt zu seinem Ruf bei, der Wegbereiter des aktuellen zeitgenössischen Jazz „Made in Germany“ zu sein. 

Dabei geht sein Trio Nostalgia den umgekehrten Weg: zurück zum swingenden und groovenden Jazzgefühl der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, als der Jazz noch bei Blue Note oder in der 52sten Straße zuhause war, wobei es die Gratwanderung zwischen nostalgischem Retro-Sound und dem neugiereigen Austesten der eigenen Klanggebilde bravourös meistert. 

Mehr denn je ist auf dem aktuellen Album des Trios, „Nature“, ein grundehrliches, unverstelltes Pathos zu hören. „Im Jazz geht es ja oft darum, wer besser spielen kann und die hipperen Ideen hat“, findet Wogram. „Ich wollte einfach mal ein Album ohne all das machen, weil ich darauf gerade Lust hatte. Das heißt ja nicht, dass man sich später nicht wieder komplexeren Ideen widmen kann. Aber jetzt musste genau das heraus.“ Wogram gelingt es, auf dem kürzest möglichen Weg ein authentisches Lebensgefühl zu vermitteln – er geht einfach los und nimmt den Hörer mit. Nostalgia trägt eine kolossale Lebenswucht zum Hörer. 

Anders als die meisten anderen Jazzorganisten, die den Bass mit der linken Hand verwalten, spielt Arno Krijger den Bass mit Füssen. Bei den meisten Orgeltrios übernimmt der Gitarrist die Akkordfunktion, wenn der Organist solo spielt. Mangels eines Gitarristen geht das bei Nostalgia nicht. Da Krijger den Bass aber per pedes spielt, übernimmt der mit der linken Hand die Akkorde und mit der rechten Melodien und Improvisationen. Auf dieser Grundlage kann Wogram die Stücke anders bauen.

An Krijger schätzt er aber noch eine andere Eigenschaft. „Arno ist kein Orgel spielender Pianist, sondern spielt ausschließlich Orgel. Sein Selbstverständnis verleiht der Orgel klangliche Nuancen, die einen absoluten inhaltlichen Gewinn darstellen.“

An Schlagzeuger Dejan Terzic schätzt Wogram nicht nur das intuitive Gespür für Beat, Groove und Feuer, sondern vor allem auch sein Feingefühl für Dynamik und Form. „Wenn ich rhythmische Sachen mit ihm zusammen spiele, muss ich mich auf nichts konzentrieren, sondern kann einfach drauf los spielen. Ich habe ja gerade deshalb ein Orgeltrio gegründet, weil Orgel und Schlagzeug zusammen so einen tiefen Groove entwickeln.“

In den letzten Jahren hat Nils Wogram viele abstrakte Ding geschrieben und aufgenommen. Mit Nostalgia kehrt er auf „Nature“ zu einem sehr physischen Klangempfinden zurück. Er zieht die Kraft direkt aus dem Boden und gibt sie über sein Instrument und den gesamten Bandsound wieder an die Atmosphäre ab.

Das neue Album „Things We Like To Hear“ schaut mit großer Energie in die 70er zurück. Man meint Krautrock-Gitarrensoli genauso durchscheinen zu hören wie Film Noir… Es erscheint im Herbst 2019.

Zwei Mann, ein Wort! Manche Geschichten schreiben sich von selbst. Sie sind unausweichlich, müssen geschrieben werden, aus dem ganz einfachen Grund, dass sie sonst ungeschrieben blieben. Und das geht nicht. Eine solche Geschichte ist das Duo des in Frankreich lebenden serbischen Pianisten Bojan Zulfikarpasic, kurz Bojan Z., und des in der Schweiz lebenden deutschen Posaunisten Nils Wogram. Europa im Quadrat, ja, aber doch viel mehr als nur das. 

Als die beiden Musiker anlässlich des Festivals Jazzdor Straßburg Berlin anno 2012 erstmals gemeinsam auf der auf der Bühne standen, war das von einer erschütternden Selbstverständlichkeit. Da waren zwei Musiker, die intuitiv eine gemeinsame Erzählebene gefunden hatten, nicht weil sie sich darum hätten bemühen müssen, sondern weil diese Spielwiese einfach da war. Es klingt so platt zu sagen, sie hätten einander gesucht und gefunden, doch genau so war es. Wenn jemals zwei Musiker tatsächlich den Augenblick gespielt haben, ohne Konzept, Ambitionen und sonstigen Firlefanz, sondern um sich und dem Publikum so unprätentiös wie möglich zu erzählen, was sie sich genau in diesem Augenblick zu erzählen hatten, dann sind es diese beiden. 

Das Zusammenspiel der beiden funktioniert immer noch wie eine Sammlung von Geschichten, die sich auf höherer Ebene zu einem Roman verdichten. Wogram wie Zulfikarpasic haben die Tendenz zu Produktionen, die – jeder auf seine Weise – stets sehr komplett sind. Zu dem holistischen Gesamteindruck ihres Zusammenspiels kommt eine Komponente beiläufiger Offenheit hinzu, in die sich der Hörer mit seiner ganzen Imagination eingeben kann.

Wogram und Zulfikarpasic haben sich eine Detailschärfe angeeignet, die nicht nur vergessen macht, welcher Impuls jeweils von Klavier und Posaune ausgeht, sondern in deren lustvoller Logik sich Prinzipen wie Improvisation und Komposition aufheben.

NW_BojanZ_by_Corinne_Haechler

In letzter Konsequenz ist alles komponiert, nur – um bei Wograms Fußballvergleich zu bleiben – die Laufwege zur jeweiligen Komposition sind höchst unterschiedlich. Mal wird volley aus dem Spiel komponiert, ein andermal sind es einstudierte Standardsituationen, die von den beiden Musikern und Komponisten sorgfältig vorbereitet worden sind. Eine gelungene Erfindung fragt am Ende nicht mehr nach dem Weg. Wogram spricht von speziellen Momenten, die man ad hoc nicht auf die Beine stellen könnte. Gemeinsam überblicken sie ein Panorama, dessen Horizont weit über das Musikalische hinausgeht. Gerade deshalb gelingt es ihnen so gut, als Spielerpersönlichkeiten hinter ihre Stücke zurückzutreten und einfach zu erzählen. 

„Auch in konventionellen Spielsituationen findet er immer Magie“, beschreibt Wogram den Ansatz seines Duo- Partners. „Wahrscheinlich liegt das einfach in seiner Persönlichkeit.“ Auch diese Beobachtung gibt Zulfikarpasic fast wörtlich an Wogram zurück. Nur in einem Punkt unterscheiden sich die beiden aus der Sicht des Pianisten. „Nils war unglaublich gut vorbereitet. Ich hingegen habe alles auf den letzten Drücker geliefert. In dieser Hinsicht ist er eben so Deutsch, und ich bin so Balkan.“ Gut, dass es also auch noch Unterschiede gibt. Zu hören sind sie auf „Housewarming“ allerdings nicht. 

(…)bound up with tradition and modernity as well as complex, catchy and playful … and all along there’s Wogram himself, whose trombone remains in the service of the band sound in spite of his soloistic brilliance. … compelling, clear music, which is organically integrated in itself.

George W. Harris, Jazz Weekly, 03/2017 

 

(…) leads his genre out of the retro trap. Drawing from the well of tradition, connected with the curiosity for discovery like an intrepid seafarer – this is what characterizes Nil Wogram’s work. … Wogram thinks … in long arcs. This doesn’t only apply to his soli, breathtaking in the truest sense of the word, but also and above all to the musical, interpersonal relationships in which he moves.

Die Welt, 2013

Brilliant tones ….traditional education, modern sound: the trombonist Nils Wogram.

Kulturspiegel, 2013