Nils Wogram

NILS WOGRAM   trombone

Root 70

with

HAYDEN CHISHOLM   alto saxophone

MATT PENMAN   bass

JOCHEN RÜCKERT   drums

Nils Wogram & Bojan Z

with

BOJAN Z   piano

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2021: Preisträger des Ehrenpreises der Deutschen Schallplattenkritik und des Schweizer Musikpreises, nominiert für den Deutschen Jazzpreis

Nostalgia

with

ARNO KRIJGER  hammond, pedals

DEJAN TERZIC  drums

Muse

with

KATHRIN PECHLOF  harp

HAYDEN CHISHOLM  alto sax, overtone singing

GARETH LUBBE  vionlin, viola, overtone singing

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Solo

Eine Posaune, sonst nichts! Was zum Beispiel auf Klavier oder Gitarre längst zur Normalität gehört, mutet auf der Posaune immer noch ungewohnt an, um nicht zu sagen gewagt. Dabei hat diese andernorts ungewöhnliche Konstellation im deutschen Jazz durchaus Tradition. Albert Mangelsdorff und Conny Bauer haben es vorgemacht und ihr Instrument auf mehreren stilprägenden Alben und unzähligen solitären Konzerten als Soloinstrument präsentiert. Mit seinem Solodebüt „Bright Lights“ schließt Nils Wogram nicht nur an diese große Tradition an, sondern eröffnet ihr gleichzeitig völlig neue Perspektiven. 

Sein musikalisches Können muss Nils Wogram schon lange nicht mehr unter Beweis stellen und es war nur eine Frage der Zeit, wann auch Wogram sein Verhältnis zur Soloposaune postulieren würde. Anders als die Pioniere dieses Sujets, Albert Mangelsdorff und Conny Bauer, muss er sein Instrument nicht mehr im Verein der Soloinstrumente positionieren, sondern kann einfach spielen.

Er muss nichts beweisen, braucht nicht Song für Song die spielerischen Möglichkeiten der Posaune und deren improvisatorischen Ableitungen aufzufädeln, sondern kann munter und kurzweilig seine ureigenen Geschichten durchs Rohr blasen. Obwohl sich Wogram ohne technische Hilfsmittel und Erweiterungen nur auf eine einzige Klangquelle stützt, ist seine künstlerische Maxime genauso integrativ wie im Spiel mit einer großen Band. Jede Form von Dogmatismus ist ihm grundsätzlich fremd. Es geht auf „Bright Lights“ um die Einbeziehung möglichst vieler gestalterischer Mittel und nicht darum, gewisse Parameter auszuschießen, wegzulassen oder gar zu verhindern. „Ich wollte auf keinen Fall in die Falle der Selbstgefälligkeit tappen. Der Hörer soll nicht ununterbrochen vor Augen haben, dass er nichts als Posaune hört. Es geht um interessante und abwechslungsreiche Musik.“ 

Um die narrativen Qualitäten seines Horns möglichst breit zu fächern und abwechslungsreich zu gestalten, dringt er ungleich tiefer als zuvor in die Trickkiste der Posaune ein. Dabei stand immer die Frage nach den jeweiligen Gestaltungsmitteln für jeden einzelnen Song im Mittelpunkt. Dieser narrative Aspekt bietet sich auf der Posaune mehr an als auf jedem anderen Instrument, denn kein Klangerzeuger kommt der menschlichen Stimme so nah wie Wograms Spielgerät. Er weiß um diese Möglichkeiten und nutzt sie als Chance. „Der Charakter der Posaune ist extrem wandelbar. Ich mag es, wenn die Posaune ihren Grundcharakter beibehält. Natürlich erliege auch ich oft der Tendenz, die Posaune so rein wie möglich zu spielen, aber ihr Charme besteht ja nicht zuletzt in der gewissen Rauheit und sprachlichen Wandelbarkeit.“ Ganz bewusst spielt Wogram auch mit den Limitierungen des Instruments. Wie im Freiflug überwindet er die Gravitation der Posaune, aber statt sie zu negieren, verwandelt er ihre relative Schwerfälligkeit im Auftrieb der musikalischen Thermodynamik geschickt in einen fliegenden Teppich, von dem aus seine Geschichten leicht und elegant wie Mauersegler zum Hörer herüberfliegen. Sein Spiel wird dadurch luftig, bunt und dreidimensional. Dabei geht es ihm nicht um sein persönliches Standing als Spieler oder Virtuose. Wie auch in all seinen anderen Projekten tritt er mit seinem Ego ganz und gar hinter der Musik zurück, was ihn wiederum als musizierendes Individuum umso stärker macht. 

So anspruchsvoll dieses Soloalbum spielerisch ist, richtet sich Wogram mit dem Album jedoch nicht ausschließlich an Posaunen-Gourmets, sondern an Hörer jeglicher Couleur, die einfach nur Freude an musikalischer Fabulierlust aufbringen können. In diesem Sinne ist „Bright Lights“ weder eine akrobatische Nummernrevue noch ein Showcase für die Posaune und schon gar kein retrospektives Kräftemessen mit seinen Vorbildern Mangelsdorff oder Bauer, vor denen sich zu verneigen Wogram durchaus als Herausforderung für das Album empfindet. Mit einem ganz einfachen Satz bringt er sein Credo auf den Punkt: „Mir geht es nicht um die Analyse meines Handwerks, sondern einzig um künstlerische Substanz.“ 

Eine Posaune, sonst nichts! Es gelingt Nils Wogram auf berührende Weise, Grundvertrauen in seine eigenen musikalischen Aussagen zu manifestieren, sich zu seiner künstlerischen Herkunft zu bekennen, ohne zum Plagiat zu mutieren, und damit neue Geschichten zu erzählen, die in vertrauten Kulissen trotzdem nicht deplatziert wirken. Letztlich schlägt er mit seinem Soloprogramm „Bright Lights“ in Zeiten zunehmender Uniformität und Konformität eine starke Bresche für die schöpferische Kraft des sozial empfindenden Individualismus. 

 

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MUSE

Ganz oder gar nicht! Keine halben Sachen! Wo sich im Lauf ihrer Karriere vieler anderer Künstler Routineabnutzungen bemerkbar machen, reift in Nils Wogram die Erkenntnis, dass jedes neue Projekt zugleich sein erstes Projekt ist. Ganz besonders spürbar ist das auf seiner neuen CD „Muse“, eingespielt mit der Harfenistin Kathrin Pechlof, dem Bratschisten und Obertonsänger Gareth Lubbe und Wograms Langzeit-Weggefährten Hayden Chisholm am Saxofon. Doch warum mit einer völlig neuen Band einmal mehr über Start gehen, wenn der Posaunist mit Working Bands wie Root 70, Nostalgia oder dem Vertigo Trombone Quartet sowie an der Seite von Aki Takase, Simon Nabatov, Bojan Z, Michel Portal und vielen anderen alles erreicht hat, was ein Jazzmusiker je erreichen kann? Die Antwort ist so einfach wie komplex: Weil Nils Wogram einfach nicht anders kann, als seiner triebhaften künstlerischen Neugier nachzugeben und ungeachtet alles Erreichten zu schauen, was hinter dem Horizont auf ihn wartet. 

Und so ist an „Muse“ eigentlich alles komplett anders, als man es von Nils Wogram und seinem Umfeld gewohnt ist. Die einzige Konstante bleibt Hayden Chisholm, ein Musiker, der die Obsessionen des Posaunisten seit Jahrzehnten uneingeschränkt teilt und ihm nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch menschlich bei aller Bereitschaft zum Risiko immer ein Stück Halt gibt. Auch mit der Berlinerin Kathrin Pechlof und dem aus Südafrika stammenden Gareth Lubbe hat Wogram schon auf unterschiedlichen Feldern zusammengespielt, aber eine Besetzung wie auf „Muse“ gab es noch nie und sucht wohl auch generell in der Musikgeschichte ihresgleichen. Umso größer ist dem Visionär, der niemals nur um der Suche willen sucht, sondern dessen Zielmarkierung ohne jeden Kompromiss „Finden“ heißt, der Ansporn, das Unmögliche möglich und das Unerhörte hörbar zu machen. 

Nils Wograms Musik ist von jeher eine große Sinnlichkeit eigen. Während er bislang in so gut wie allen Projekten die Sinnlichkeit des Augenblicks zelebrierte, kommt auf „Muse“ die Sinnlichkeit des Bleibenden zum Tragen. Das Verweilen in der Form spielt bei der kammermusikalischen Anmutung dieser Konstellation eine große Rolle. Die warmen Klänge erinnern zuweilen an die zu Stillleben erstarrten Porträts eines Amadeo Modigliani. Um im Bild zu bleiben, imaginieren die Kompositionen des Albums weniger das Blatt, das sich im spontanen Windstoß munter bewegt, sondern eher die Vase, die in ihrer einmal geschaffenen Form einen Raum ziert und mit dem Licht spielt. „Auch auf ‚Muse’ gibt es improvisierte Passagen“, hält Wogram fest, „aber sie sind viel weniger durch den Jazz beeinflusst, was natürlich sehr stark an den Protagonisten liegt. Ich wusste ja schon beim Komponieren, mit wem ich die Musik umsetzen würde und wo deren Stärken liegen. Das brachte ich mit meinen musikalischen Vorstellungen in Einklang. Inwiefern diese musikalischen Formen dauerhaft festgelegt sind oder sich weiterentwickeln werden, wird die Zukunft zeigen. Das weiß ich im Augenblick noch nicht.“

 

Wie auch? Mit der CD steht das Projekt Muse ja erst völlig am Anfang. Diese unaufgeregte Offenheit für alle Möglichkeiten, die sich aus dem gerade Begonnenen ergeben können, überträgt sich auch unschwer auf die Hörer. Die Musik mag komplex sein, doch ist ihre immanente Schönheit und Freundlichkeit bei aller formalen Strenge auch für den Hörer enorm entspannend. „Muse“ ist ein leises Album. Jeder Ton zählt. Klang ist die entscheidende Komponente. „Diese ruhige, sinnliche Musik zuzulassen, ohne von vornherein zu hinterfragen, ob das in der Form einer CD oder Live-Aufführung auch funktioniert, stand für mich im Vordergrund“, so Wogram. „Diese Ästhetik mag ich einfach. Das kann aber nur funktionieren, wenn ich es konsequent umsetze. Konsequenz steht für mich in einem unmittelbaren Zusammenhang mit Klarheit. Musik mit einer starken Stimmung setzt immer starke Emotionen frei.“

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Die Konstellationen und Transformationen in den Kompositionen von „Muse“ sind so vielfältig wie der Einfall des Lichts zu unterschiedlichen Tageszeiten. Die einzelnen Klänge durchdringen einander mit derartiger Transparenz, dass man nicht in jedem Fall genau sagen kann, ist das nun Harfe oder Viola, oder wo fangen die Multiphonics auf der Posaune an und wo hört Lubbes Obertongesang auf? Chisholms Saxofon zieht sich durch diese Klanglichtspiele wie ein Spirit,der fortwährend zwischen Physis und Ahnung vermittelt. Die Harfe, ein sehr leises Instrument, auf dessen Level sich alle anderen Klangquellen einlassen müssen bzw. dürfen, gibt das Timbre vor. Erstmals in der langen Geschichte seiner Musik hat Wogram ein Album im Sitzen eingespielt, um sich so von allen Seiten auf die Anforderungen der Harfe einzulassen. Kathrin Pechlof wiederum, saugt den Input von Posaune, Saxofon, Viola und Stimme in ihren tausenduneinen Saiten auf. Dieser geradezu märchenhafte Zusammenklang ist die Grundlage, nicht das Resultat des gemeinsamen Spiels. Auf diese Weise gelingt es auch von außen ganz leicht, den vier Beteiligten beim gegenseitigen Zuhören zuzuhören.


In der antiken Mythologie ist die Muse eine Gestalt, die das göttliche Schöpfungsprinzip in sich vereint und an die Menschen weitergibt. Die Fabeln großer Künstlerpersönlichkeiten und ihrer Musen füllen ganze Kompendien. Nils Wogram, Kathrin Pechlof, Hayden Chisholm und Gareth Lubbe brauchen indes keine personifizierte Inspirationsquelle, um gemeinsam in den Dienst der Muse Musik zu treten. Ihre Tongedichte ohne Text sind voller Poesie und zeigen vor allem eines: Aller Anfang ist leicht!

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Nostalgia Trio

Dass Wogram ausgerechnet das Instrument Albert Mangelsdorffs, die Posaune, mit einer Virtuosität beherrscht und einer Tollkühnheit einsetzt wie weltweit kaum ein Zweiter seiner Generation, trägt zu seinem Ruf bei, der Wegbereiter des aktuellen zeitgenössischen Jazz „Made in Germany“ zu sein. Dabei geht sein Trio Nostalgia den umgekehrten Weg: zurück zum swingenden und groovenden Jazzgefühl der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, als der Jazz noch bei Blue Note oder in der 52sten Straße zuhause war, wobei es die Gratwanderung zwischen nostalgischem Retro-Sound und dem neugiereigen Austesten der eigenen Klanggebilde bravourös meistert. Wogram gelingt es, auf dem kürzest möglichen Weg ein authentisches Lebensgefühl zu vermitteln, ohne einen musikalischen Beipackzettel oder eine markierte Wanderkarte mitliefern zu müssen. Er geht einfach los und nimmt den Hörer mit. Nostalgia trägt eine kolossale Lebenswucht zum Hörer. 

Dazu trägt viel die Auswahl seiner Mitmusiker bei. Da  Jazzorganist Arno Krijger den Bass per pedes spielt, übernimmt er mit der linken Hand die Akkorde und mit der rechten Melodien und Improvisationen. Auf dieser Grundlage kann Wogram die Stücke anders bauen. An Krijger schätzt er aber noch eine andere Eigenschaft. „Arno ist kein Orgel spielender Pianist, sondern spielt ausschließlich Orgel. Sein Selbstverständnis verleiht der Orgel klangliche Nuancen, die einen absoluten inhaltlichen Gewinn darstellen.“ An Schlagzeuger Dejan Terzic schätzt Wogram nicht nur das intuitive Gespür für Beat, Groove und Feuer, sondern vor allem auch sein Feingefühl für Dynamik und Form. 

Berühren oder beeindrucken – das ist die Frage, die auf „Things We Like To Hear“ (VÖ Oktober 2019) dem fünften Album des Trios zählt. Wogram, Terzić und Krijger machen es dem Hörer leicht. Mit einer verbindlichen Dub-Melodie starten sie entspannt in ein Album, dessen eingeschlagene Leichtigkeit sie auch in den folgenden acht Songs aufrecht erhalten. Sie lassen alles weg, was weggelassen werden kann und konzentrieren sich aufs Wesentliche. Wogram hat oft genug gezeigt, dass er komplexe Ideen umzusetzen weiß, aber jetzt schlägt er einen neuen Weg ein. Statt Abstraktion setzen die drei Musiker auf einfachere Strukturen, ohne jedoch banal zu werden, sowie auf unverstellte Emotionalität, die keiner Erklärung bedarf. 

Bei allen Neuerungen trägt das Album immer noch unüberhörbar die Signatur von Nostalgia. Aber im Gegensatz zu den früheren Alben des Trios stellt Wogram auf „Things We Like To Hear“ nicht mehr die Frage, woher kommen wir, sondern aus der Perspektive der Gegenwart: Was gilt es aus der Vergangenheit zu bewahren? „Die zeitlosen Komponenten von Jazz sind für mich Spontaneität und Improvisation. Und je einfacher die Strukturen sind, desto spontaner lässt sich darüber improvisieren.“ 

Er selbst ist indes weder als Musiker noch als Privatmensch ein Nostalgiker, und das trifft auch auf seine beiden Kompagnons zu. Alle drei leben im Hier und Jetzt und wollen daran teilhaben, die Musik weiterzuentwickeln. Dafür braucht Wogram keine Überschrift. Er entzieht sich allen Reflexen und Erwartungen, will weder provozieren noch bewahren, sondern bringt einzig zu Gehör, wonach es ihn und seinen Mitspielern selbst verlangt. Manche Melodien auf „Things We Like To Hear“ fangen einfach Stimmungen ein, andere fordern zum Bewegen oder Mitsummen auf, wieder andere erinnern vielleicht an einen guten, alten Film Noir. Sein Ziel besteht darin, Intellekt und Körper zusammenzubringen. „Things We Like To Hear“ ist der nächste Schritt in diese Richtung.

Nils Wogram ist ein Musiker, der die Ohren offenhält und die Welt mit dem Horn so einfängt, wie sie ist. Mit Nostalgia und  „Things We Like To Hear“ geht er einmal mehr über Start, nicht weil er ganz von vorn anfangen wollte, sondern weil alles Gesagte gesagt und damit keiner Wiederholung bedarf. 

Nils Wogram (geb. 1972 in Braunschweig) begann im Alter von 15 Jahren Posaune zu spielen. Dabei genoss er gleichzeitig eine klassische und Jazz-Ausbildung. Bereits im Alter von 16 Jahren war er Mitglied des Bundesjugendjazzorchesters, gründete eigene Bands und gewann Preise bei Jugend musiziert. Von 1992 bis1994 studierte er in New York und schloss seine Ausbildung 1999 an der Musikhochschule Köln ab. Seit dieser Zeit hat Nils Wogram über 30 Alben unter seinem Namen veröffentlicht. Im Jahre 2010 gründete Nils Wogram sein eigenes Label nwog-records auf dem er seine Alben veröffentlicht. Nils Wograms Bands spielen ausschliesslich Eigenkompositionen. Häufig bekommt er auch Auftragskompositionen anderer Ensembles. Eine Auswahl der ihm verliehenen Jazzpreise: SWR , Norrhein Westphalen, Stadt Köln, Abendzeitung München, Julius Hemphil Competition , Frank Rosolino Competition, GEMA Preis für Jazz Komposition, BMW Jazz Award, Jazz Echo, Albert Mangelsdorff Preis 2013. Touren durch: Europe, Russland/Sibirien, Australien,Süd und Zentral Amerika, Zentral Asien Süd Ost Asien, USA, Kanda. Einige Festival Highlights: Moers, Triennale Köln, Willisau, North Sea, Molde, Madrid, Lissabon, Vilnius, Prato, Wangaratta, Bishkek, Saalfelden, La Paz, Lima, u.v.a.

Geboren 1972 in Terneuzen, NL, hat Arno Krijger mit seinem typischen Hammond-Orgelstil und seiner Vielseitigkeit auf dem Instrument nicht nur das breite Spektrum des Jazz durchlaufen, in dem er vielleicht am bekanntesten ist, sondern bewegt sich auch die Welten von Funk, Pop und alternativer Musik. Wegen seines unverwechselbaren Spiels (auch mit den Pedalen) ist Krijger als gefragter Sideman auf zahlreichen Alben von Künstlern in nahezu allen Musikgenres zu hören. Beeinflußt wurde er stilistisch von Larry Young und auch Larry Goldings. Krijger war auf Tour und hat im Studio mit Künstlern wie Billy Hart, Stefan Lievestro, Hans van Oosterhout, Pascal Vermeer,Toine Thys und James Scolfield zusammengearbeitet.

Dejan Terzic, geboren 1970 in Banja Luka, BIH, zog mit seiner Familie nach Nürnberg, als er drei Jahre alt war und lernte ab dem sechsten Lebensjahr Klavier. Mit zwölf Jahren wechselte er ans Schlagzeug. Ab 1990 studierte er am Nürnberger Konservatorium, um dann bei Bill Elgart an der Hochschule für Musik Würzburg zu studieren. Zwischenzeitlich vertiefte er seine Studien in New York City u.a. bei Bill Stewart und Duduka da Fonseca und am Vermont Jazzcenter bei Jimmy Cobb und Attila Zoller. Seither war er gefragter Sideman (u.a. bei Dusko Goykovich im Quintett, Enrico Rava, Johannes Enders) und verfolgt auch erfolgreich eigene Projekte (u.a. Underground, Melanoia). Seit 2008 ist er an der Hochschule der Künste Bern als Dozent für das Hauptfach Schlagzeug tätig. 2014 erhält Dejan Terzic den ECHO Jazz als bester Schlagzeuger national.

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Root 70

Ein starker Baum hat viele Wurzeln. Die Jazz-Band Root 70 feierte anno 2020 ihr zwanzigjähriges Bestehen. Diesen Umstand verdankt sie einer ganzen Reihe von Tatsachen. Posaunist Nils Wogram, Saxofonist Hayden Chisholm, Bassist Matt Penman und Drummer Jochen Rückert bilden eine der stabilsten Formationen der Jazzgeschichte. Zwei Jahrzehnte in unveränderter Besetzung zu musizieren, ist nicht nur an sich schon bemerkenswert, sondern im Fall von Root 70 besonders beeindruckend, weil die Band nicht den einfachsten Weg gewählt hat. Doch fangen wir am Anfang an, als sich vier junge Musiker entschlossen, ein Stück ihres Pfades gemeinsam zurückzulegen. 

Um es ganz einfach zu machen: Hayden Chisholm und Matt Penman kommen aus Neuseeland und kannten sich von frühester Jugend an. Bereits als Teenager kam Chisholm über die Schweiz nach Köln. Ungefähr zur selben Zeit kehrte Nils Wogram aus New York an die Musikhochschule in Köln zurück und lernte dort Chisholm und Jochen Rückert kennen. Letzterer hatte bereits unabhängig von dem Saxofonisten in New York mit Matt Penman gespielt. Rückert trommelte in Wograms Quartett, und als der Posaunist den Drummer fragte, mit wem er gern Bass spielen würde, entschied dieser sich für den Neuseeländer aus New York. Chisholm spielte unterdessen mit Rückert und Penman im Trio und lud eines Abends 1999 Wogram als Gast hinzu. „Wir waren erstmals in dieser Kombination zu viert, und ich sagte, diese Ballung von Leuten ist etwas Besonderes, das müssen wir etwas längerfristig betreiben als nur für einen Gig“, erinnert sich Wogram.
Eine derart fundamentale Erkenntnis auszusprechen, ist die eine Sache, sie aber nicht nur in die Tat, sondern in kontinuierliche Arbeit umzusetzen, eine ganz andere. Nils Wogram setzte sich den Hut auf und schmiedete aus vier Musikern, die einander musikalisch sehr nah waren, eine Band, die nach Alexandre Dumas’ Grundsatz „Einer für Alle, Alle für Einen“ funktionieren sollte. „Es braucht eben immer eine Person, die die Dinge katalysiert und auf den Punkt bringt“, so Wogram. „Wir kannten uns aus diversen musikalischen Kontexten und lernten uns schätzen. Es ist jedoch wie in einer Familie. Man respektiert sich, aber es ist nicht alles nur Einvernehmen. Jeder hat seinen eigenen Kopf. Wir müssen nicht die besten Freunde sein und immer dasselbe wollen. Eine der Voraussetzungen, dass die Band seit 20 Jahren funktioniert, besteht darin, dass sich jedes Bandmitglied voll und ganz entfalten und durch die eigene Spielweise den Bandsound prägen kann.“ 

Im Mai 2000 gab Root 70 das erste Konzert unter diesem Namen auf dem MoersFestival. Dass vier Persönlichkeiten, die nicht nur auf ihren Instrumenten, sondern auch als musikalische Charaktere derartig starke Individualisten sind, dennoch einen höchst symbiotischen Bandsound erzielen, ist ungewöhnlich. Die vier Protagonisten fühlen sich über ein ähnliches musikalisches Wertesystem miteinander verbunden und einer vergleichbaren Grundästhetik verpflichtet. Die gemeinsame Schnittmenge war also da, nach der musste man nicht suchen. Doch Root 70 gelang etwas, das nur wenige Bands über so viele Jahre durchhalten. Die Gruppe baut die Spannung ihrer Konzepte auf der Gegensätzlichkeit der Musiker auf, aus der sich immer neue Überlappungen, Brüche, Perspektivwechsel und Annäherungen ergeben. Jeder der Vier hat in der Band den ihm eigenen Platz gefunden, der jedoch flexibel ist und den persönlichen Unterschieden Rechnung trägt. Wäre es anders, fehlte das Salz in der Suppe.

Einen Masterplan oder formulierten Traum hat es bei Root 70 nie gegeben. Rein musikalisch wollte die Band eine Art von Sophistication erlangen. Ihre Fertigkeiten als Musiker wollten sie in eine Musik mit Charakter umsetzen, die nicht nur einfach gut gespielt ist. „Wir waren ernsthaft in der Umsetzung unseres Anspruchs, wollten uns selbst aber nicht allzu ernst nehmen. Die Inhalte standen immer im Vordergrund. Es war uns wichtig, die Hörerschaft zu überraschen.“
Nicht zuletzt gelang es Root 70 auch, sich selbst mit immer neuen Konzepten zu überraschen. Womit wir bei einem weiteren Punkt der bandinternen Überlebensstrategie sind. Nach den ersten drei Alben ging die Band zu Konzeptalben über, wofür Wogram zwei Gründe nennt. „Die Vermeidung von Beliebigkeit gab uns einen konzeptionellen Rahmen, der uns nicht eklektisch abschweifen ließ. Diese Fokussierung war beim Komponieren und Programmieren hilfreich. Der andere Grund war die genaue Beschäftigung mit einem Thema. Wir wollten nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern in die Tiefe zu gehen. Uns reizte die Frage, wie man innerhalb bestimmter Grenzen Freiheit ausloten und finden kann.“ 

War Köln anfangs eine Art Epizentrum für Root 70, liegt mittlerweile eine große räumliche Distanz zwischen den Musikern. Wogram wohnt in der Schweiz, Chisholm in Irland, Rückert und Penman in New York. Logistisch ist dies mit Herausforderungen verbunden, die nicht immer leicht zu bewältigen sind, doch an die Stelle einstiger Spontaneität im Zusammentreffen tritt heute der bedingungslose Wille, auch über weite Distanzen miteinander in Einklang zu treten.

Was die vier Musiker im Ursprung zusammengeführt hat, verbindet sie auch heute noch. Root 70 ist mehr als eine musikalische Institution, eine auf acht Alben dokumentierte Erfolgsgeschichte. Root 70 ist eine Wirklichkeit gewordene Utopie von der Vereinbarung der Gegensätze, ohne den individuellen Anspruch jedes einzelnen Teils der Ganzen zu korrumpieren.  

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Duo mit Bojan Z.

Zwei Mann, ein Wort! Manche Geschichten schreiben sich von selbst. Sie sind unausweichlich, müssen geschrieben werden, aus dem ganz einfachen Grund, dass sie sonst ungeschrieben blieben. Und das geht nicht. Eine solche Geschichte ist das Duo des in Frankreich lebenden serbischen Pianisten Bojan Zulfikarpasic, kurz Bojan Z., und des in der Schweiz lebenden deutschen Posaunisten Nils Wogram. Europa im Quadrat, ja, aber doch viel mehr als nur das. 

Als die beiden Musiker anlässlich des Festivals Jazzdor Straßburg Berlin anno 2012 erstmals gemeinsam auf der auf der Bühne standen, war das von einer erschütternden Selbstverständlichkeit. Da waren zwei Musiker, die intuitiv eine gemeinsame Erzählebene gefunden hatten, nicht weil sie sich darum hätten bemühen müssen, sondern weil diese Spielwiese einfach da war. Es klingt so platt zu sagen, sie hätten einander gesucht und gefunden, doch genau so war es. Wenn jemals zwei Musiker tatsächlich den Augenblick gespielt haben, ohne Konzept, Ambitionen und sonstigen Firlefanz, sondern um sich und dem Publikum so unprätentiös wie möglich zu erzählen, was sie sich genau in diesem Augenblick zu erzählen hatten, dann sind es diese beiden. 

Das Zusammenspiel der beiden funktioniert immer noch wie eine Sammlung von Geschichten, die sich auf höherer Ebene zu einem Roman verdichten. Wogram wie Zulfikarpasic haben die Tendenz zu Produktionen, die – jeder auf seine Weise – stets sehr komplett sind. Zu dem holistischen Gesamteindruck ihres Zusammenspiels kommt eine Komponente beiläufiger Offenheit hinzu, in die sich der Hörer mit seiner ganzen Imagination eingeben kann.

Wogram und Zulfikarpasic haben sich eine Detailschärfe angeeignet, die nicht nur vergessen macht, welcher Impuls jeweils von Klavier und Posaune ausgeht, sondern in deren lustvoller Logik sich Prinzipen wie Improvisation und Komposition aufheben.

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In letzter Konsequenz ist alles komponiert, nur – um bei Wograms Fußballvergleich zu bleiben – die Laufwege zur jeweiligen Komposition sind höchst unterschiedlich. Mal wird volley aus dem Spiel komponiert, ein andermal sind es einstudierte Standardsituationen, die von den beiden Musikern und Komponisten sorgfältig vorbereitet worden sind. Eine gelungene Erfindung fragt am Ende nicht mehr nach dem Weg. Wogram spricht von speziellen Momenten, die man ad hoc nicht auf die Beine stellen könnte. Gemeinsam überblicken sie ein Panorama, dessen Horizont weit über das Musikalische hinausgeht. Gerade deshalb gelingt es ihnen so gut, als Spielerpersönlichkeiten hinter ihre Stücke zurückzutreten und einfach zu erzählen. 

„Auch in konventionellen Spielsituationen findet er immer Magie“, beschreibt Wogram den Ansatz seines Duo- Partners. „Wahrscheinlich liegt das einfach in seiner Persönlichkeit.“ Auch diese Beobachtung gibt Zulfikarpasic fast wörtlich an Wogram zurück. Nur in einem Punkt unterscheiden sich die beiden aus der Sicht des Pianisten. „Nils war unglaublich gut vorbereitet. Ich hingegen habe alles auf den letzten Drücker geliefert. In dieser Hinsicht ist er eben so Deutsch, und ich bin so Balkan.“ Gut, dass es also auch noch Unterschiede gibt. Zu hören sind sie auf „Housewarming“ allerdings nicht. 

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Vertigo Trombone Quartet

NILS WOGRAM, ANDREAS TSCHOPP, BERNHARD BAMERT, JAN SCHREINER 

Wer möchte schon zweimal dasselbe Buch schreiben? Und warum sollte man zweimal dieselbe CD aufnehmen? Mit dem Album „The Good Life“ holt das Vertigo Trombone Quartet zwar zum zweiten Schlag aus, aber es schließt nicht einfach dort an, wo es 2014 mit „Developing Good Habits“ begonnen hat, sondern geht noch einmal komplett über Start. Die vier Posaunisten Nils Wogram, Andreas Tschopp, Bernhard Bamert und Jan Schreiner treten nicht nur als ausführende Musiker in Aktion, sondern übernehmen auch gemeinsam Verantwortung für die Kompositionen. Die individuellen Handschriften der vier Protagonisten bleiben zwar erkennbar, aber die Kompositionen stehen ungleich stärker im Vordergrund als auf dem Debütalbum. Oder um es mit den für ein Posaunenquartett im doppelten Sinne treffenden Worten von Nils Wogram zu sagen: „Alle kommen mit ihrer Stimme zum Zuge.“ 

Das Markenzeichen ist die Einheit, Stärke und Stringenz des inneren Zusammenhangs. Diese kohäsive Kraft beruht auf einer großen Dichte, die nicht via Konzept von außen übergestülpt worden ist, sondern sich von innen heraus ergeben hat. Die Band hat sich gegen eine bewusste konzeptionelle Ausrichtung entschieden, um sich nach allen Seiten freizuhalten. Diese Entscheidung war mit Risiko verbunden. Auf die eigene Kraft zu vertrauen und sich keinen roten Faden vorzugeben, könnte schließlich leicht auf Beliebigkeit und Eklektizismus oder einen kleinsten gemeinsamen Nenner hinauslaufen. Doch hier agieren vier Musiker auf absoluter Augenhöhe. Statt sich im Individuellen zu neutralisieren, arbeiten sie souverän die gemeinsamen Stärken heraus. Alle Stücke des Albums sind mit dem Bewusstsein entstanden, für diesen Kader geschrieben zu werden. Der Fokus war von Anfang auf das Gemeinsame, Verbindende gerichtet. Und die Rechnung geht voll auf. Obwohl es sich um vier individuelle Komponisten handelt, wirken die Tracks in ihrer Gesamtheit wie eine in dieser Form von vornherein geplante Suite. Auf ihrem zweiten Album entpuppen sich die vier Mitglieder des Vertigo Trombone Quartets als Meister der intuitiven kollektiven Stringenz. Die Stücke eines jeden sind derart stimmig in die Schöpfungen der anderen drei Mitglieder integriert, dass der narrative Faden elegant von einem Komponisten zum anderen weiter gegeben wird. Anders als im landläufigen Jazz, in dem sich die Spannung erst aufbauen muss, bis der Klimax erreicht wird, offenbart sich das Momentum auf „The Good Life“ vom ersten Ton an, und die Spannung reißt in keinem Augenblick ab.

Einige Momente wirken kammermusikalisch, andere tendieren eher in Richtung Jazz oder Ambient, sofern man sich in der Topografie der Klänge überhaupt an derartigen Genre-Fixpunkte orientieren will. Zudem sind Vergleiche eines Posaunenquartetts wie Vertigo mit Streich-, Gitarren- oder Saxofonquartetten bereits zum Hinken verurteilt, bevor sie überhaupt laufen lernen. Das Vertigo Trombone Quartet ist weder das World Saxophone Quartet noch das Kronos Quartet. Von Anfang an ging es um die Frage, wie das Quartett seine eigenen Wege ausschreitet.

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Letztlich haben sich Wogram, Bamert, Tschopp und Schreiner gegen stilistische Festlegungen entschieden. Die vier Musiker bewegen sich mit der denkbar größten Freiheit innerhalb des nach allen Seiten offenen Rahmens, den sie sich selbst genuin geschaffen haben. Kein anderes Instrument ist der menschlichen Stimme so ähnlich wie die Posaune. Daraus kann man etwas machen. Im Chor der vier Blasrohre ergeben sich ungeahnte Zwischen- und Obertöne. Manches erinnert an Streicher, anderes an Keyboards oder Percussion, zumal auch Tuba, Melodica und dezente Percussion zum Einsatz kommen. In einigen Momenten glaubt man gar, eine volle Big Band zu hören. 

Indem die vier großartige Musikanten zugleich die Limitierungen ihres Instruments akzeptieren und das Spektrum seiner Möglichkeiten erweitern, wird aus dem Zusammenspiel von vier Posaunen am Ende das Beste, was Musik sein kann.

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Seine erste Solo-Einspielung trägt den Titel „Bright Lights“ und ist weder ein experimentelles Geräusch- und Effekt-Werk geworden noch ein Häppchen-Tableau voller technischer Bravourstücke. (…) Die Musik (…) steckt voller Feinheiten im Detail, voller Stilzitate, die in melodischen Wendungen aufscheinen, und zeigt einen Musiker, der mit beiden Beinen und mit souveränem Überblick in der Jazzgeschichte steht. Ein Rückschritt? Keineswegs. Die Musik verleugnet, vermeidet nichts und ist enorm reichhaltig. Sie weist in überraschenden Details über sich selbst hinaus und zeigt Möglichkeiten auf, die nicht immer ausgeführt werden. „Bright Lights“ verhält sich nicht raumgreifend und grenzüberschreitend. Es ist eher ein Album der Selbstreflexion und Selbstverortung: Ein großer Jazzmusiker nimmt sich die Freiheit, ohne falsche Bescheidenheit seinen musikgeschichtlichen Ort zu markieren. Mitten in einem hellen Licht.

Frankfurter Rundschau, 10/2020

Wogram´s phrasing is flawless and it feels as though there is no barrier between what he imagines and what he plays. (…) If you imagined yourself as a great jazz trombonist, this is how you´d want to sound.

Jonathan Carvell, londonjazznews.com, 11/2020

Endlich ein Soloalbum von Deutschlands feinstem Posaunisten. Welcher Rhythmus, welche Farben (…)

Ulrich Stock empfiehlt „Bright Lights“ in der Kategorie „Bravo!“ der Weihnachtsgeschenktipps der ZEIT, 11/2020

(…) leads his genre out of the retro trap. Drawing from the well of tradition, connected with the curiosity for discovery like an intrepid seafarer – this is what characterizes Nil Wogram’s work. … Wogram thinks … in long arcs. This doesn’t only apply to his soli, breathtaking in the truest sense of the word, but also and above all to the musical, interpersonal relationships in which he moves.

Die Welt, 2013

Nils Wogram ist in diesem (Nostalgia) Trio der dominierende Musiker. Seine mitreißende Art, melodisch und mit langem Atem zu phrasieren; seine großen, eleganten Bögen, strukturiert von prägnanten rhythmischen Gestaltungen; die enormen technischen Schwierigkeitsgrade, die er sich in seinen Soli oder auch schon im thematischen Material lässig zumutet; sein fein nuancierter, meist eher weicher und lyrischer Ton und der erzählerische Duktus seines Spiels – all das macht ihn im Handumdrehen zum Lieblingsmusiker gerade all derer im Raum, die mit Albert Mangelsdorff aufgewachsen sind und einen kompletten, souveränen Jazz-Posaunisten mit Traditionsbewusstsein und kompositorisch höchst originellem Profil zu schätzen wissen. Mit Nostalgie hat das wenig zu tun. Dazu ist diese Musik viel zu raffiniert und viel zu präsent.

Frankfurter Rundschau, 11/2017 

 

Dass (…) er besonders viel zu feiern gehabt hätte, liegt auch daran, dass der 47-Jährige wohl nicht nur Deutschlands bester Jazzposaunist ist (…), sondern vermutlich auch der fleißigste. (Mit Root 70) ist immer noch am besten zu hören, was Wogram so auszeichnet: Die Erweiterung der Sprache des Jazz, ohne seine Wurzeln und Traditionen zu vergessen. So befassten sich die meist als Konzetalben konzipierten CDs von Root 70 schon mit Blues und Bebop, mit Standards und Vierteltönen, immer aber mit einem avantgardistischen, auf ungerade Metrik oder jazz-fremde Elemente konzentrierten Zugang.

Süddeutsche Zeitung, 09/2020

(…) leads his genre out of the retro trap. Drawing from the well of tradition, connected with the curiosity for discovery like an intrepid seafarer – this is what characterizes Nil Wogram’s work. … Wogram thinks … in long arcs. This doesn’t only apply to his soli, breathtaking in the truest sense of the word, but also and above all to the musical, interpersonal relationships in which he moves.

Die Welt, 2013