Torun Eriksen

Torun Eriksen

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Torun Eriksen      vocals

Kjetil Dalland    bass /guitar

 (David Wallumrød    keys)

(Andreas Bye      drums)

„Luxury and Waste“, Torun Eriksens sechstes Soloalbum bei Jazzland Rec, erkundet vertrautes Territorium auf völlig ungewohnte Weise.

Wo ihr vorheriges Album „Grand White Silk“ mit Arrangements der Grandezza flirtete, wendet sie sich nun in die entgegengesetzte Richtung und präsentiert neue Songs in kompromisslosem, abgespeckten Sound, der zwischen lässig-driftenden Stimmungen und treibend-pulsierenden Rhythmen wechselt.

Bassist Kjetil Dalland ist dabei ihr einziger Begleiter und sein subtiler, aber unverwechselbarer Stil die perfekte Ergänzung zu Toruns Stimme, bei dieser ihrer Einladung zu „Luxury and Waste“, ihrem bisher intimsten Album.Jazz, Pop und Soul, Singer / Songwriter und Blues, alles zusammen findet in Eriksens einzigartiger und überraschender Mischung einen gemeinsamen Weg.

„Ich mag es, wenn Musik vor Referenzen nur so strotzt und trotzdem einen eigenen Sound hat – das Album sollte genau so werden. Ich habe nach dem Kern meiner Songs gesucht, und wir haben alles auf das blanke Gerüst heruntergebrochen, es beim Rohen und Unpolierten belassen und versucht, ein ganz besonderes Licht in diese Skizzen zu bringen, die so ihre Vollendung fanden.“

Zwar haben diese Arrangements durchweg nur ein Instrument und eine Stimme, sie sind aber trotzdem so üppig und voll wie das ursprüngliche Band-Arrangement. Torun’s cooler, unaufdringlicher Stil, der dabei immer von emotionaler Resonanz durchdrungen ist, verleiht den Songs eine präzise Dramatik und Dynamik und sorgfältig platzierte Ornamente. Gleichzeitig kreiert Toruns langjähriger Mitstreiter Kjetil Dalland eine perfekte Form für jedes Lied, in die es sich einschmiegt, und trägt es mit, ob mit sanften Wellen oder pulsierenden Rhythmen. Während Dallands Bass die Mehrheit der Begleitung liefert, bringt er teilweise auch seinen Minibass mit ein und fügt dem Sound ein ganz neues Klangspektrum hinzu, oder Torun begleitet sich selbst am Flügel.

Die Intimität, die die Einfachheit der Arrangements bietet, ist außergewöhnlich. Es gibt kein Verstecken, keine kunstvolle Maske. Wahrheit und Aufrichtigkeit, die reine Wiedergabe des Liedes und seiner Essenz und eine perfekte Balance zwischen Stimme und Begleitung: all diese Aspekte machen „Luxury and Waste“ zu einer einzigartigen Schöpfung innerhalb Torun Eriksens musikalischer Karriere, ebenso wie in der von Kjetil Dalland.

Toruns exzellente Songwriterfähigkeit, die exquisite Schönheit und das emotionale Gewicht ihrer Stimme und Kjetil Dallands Fähigkeit den richtigen Groove oder die richtige Stimmung für ein Lied zu schnitzen – all das findet seinen Ausdruck hier. In der Tat drängt sich nur die Frage auf, warum dieses Projekt nicht schon früher realisiert wurde. „Luxury and Waste“ erscheint im September 2018 bei Jazzland Recordings. 

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Torun Eriksen sang seit frühester Kindheit in verschiedenen Gospelchören und entwickelte so ihre Fähigkeiten als Sängerin und Solistin. In ihrer Heimatstadt Skien wurde sie in der High School an den Jazz und das Songschreiben herangeführt. 1998 zog sie nach Oslo und schrieb sich am Norwegischen Institut für Bühne und Studio (NISS) ein. Zu diesem Zeitpunkt begann sie ihre Zusammenarbeit mit dem Bassisten Kjetil Dalland. Bugge Wesseltoft bot ihr nach der zufälligen Entdeckung eines ihrer Songs an, ein Album auf seinem Label Jazzland Recordings zu veröffentlichen: „Glittercard“, Toruns Debutalbum, erschien 2003. Es folgte 2006 die Veröffentlichung von „Prayers and Observations“ – ebenfalls von Wesseltoft produziert – , und 2010 die von „Passage“ (Emarcy Records). Nach dem Erscheinen des Cover-Albums „Visits“ (Emarcy Records) im Jahre 2013 kehrte Torun mit „Grand White Silk“ (2016) zu Jazzland Recordings zurück. Toruns Musik wurde auch für Kammerorchester, große Bands und Chöre arrangiert. 2007 begann eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Jazzchor Freiburg, welche in Auftritten in Japan, Korea, Deutschland und Frankreich mündete. Seit zwei Jahren tourt Torun außerdem mit der deutschen Jazzgitarristin Susan Weinert, und im Rahmen des WDR Jazzfests 2016 schlug die Geburtsstunde des Duos mit Julia Hülsmann, deren vertonte Shakespeare-Sonette das Herz des Duo-Programms darstellen.

 

Kjetil Dalland, 1974 auf Tysnes geboren, arbeitet seit zwei Jahrzehnten mit Torun Eriksen zusammen, als Bassist, Co-Arrangeur und Co-Autor auf fünf ihrer Alben, sowie Co-Produzent bei den letzten beiden (einschließlich „Luxury and Waste“). Seit mehr als 20 Jahren fungiert er als wichtiger Sideman bei einigen der wichtigsten Acts der norwegischen Szene, wie Mari Boine, Anneli Drecker, Bertine Zetlitz, Kurt Nilsen, Lene Marlin, Maria Mena und Nordic Namgar. Seit 2016 ist er Teil der norwegischen Folkrock-Gruppe Vamp, einer der bekanntesten norwegischen Bands mit 11 Alben seit 1993 und 5 norwegischen Grammys. Derzeit arbeitet er auch als Musikproduzent und Komponist von Filmmusik.

Er lebt in Tromsø; unter der Aurora Borealis und der Mitternachtssonne.

Erlebbare Philosophien ohne kühlen Intellektualismus, perfekte Phrasierungen und eine durchaus sinnliche vokale und instrumentale Performance lassen die Songs wie Edelsteine funkeln. Jeder Song ist ein Unikat, eine schimmernde Preziose.

Jazzpodium 09/16

Eine Stimme, so glasklar und rein wie ein norwegischer Gebirgsbach: Torun Eriksen braucht kein Vibrato und keine Gimmicks, um zu beeindrucken. Auch auf ihrem fünften Album, selbst produziert mit dem langjährigen Weggefährten Kjetil Dalland, ändert die 39-Jährige wenig am Erfolgsrezept. Das Tempo ist überwiegend getragen, dennoch singt die Norwegerin nicht einfach nur Jazz-Balladen. Ihre übereinandergeschichteten Vocals in „Downhill“ erinnern an zeitgenössische R&B-Sounds, gleichwohl gebrochen durch die avantgardistischen Keyboard- und Gitarrensounds eines Trios. Ähnlich experimentell ist das Björk-hafte „Right Here“. Wunderbar optimistisch: „I´ve Been Thinking“, das Eriksens Wurzeln als Gospelsängerin aufzeigt. Überragend sind die minimalistischen „Winter Today“ und „Darkness“, nur begleitet von Dallands Saitenkünsten. Skandinavische Melancholie, reduziert auf die absolute Essenz.

   Jazzthing 09/16

(…) ihre Stücke beginnen, ganz auf Torun Eriksens Art, überwiegend fast unspektakulär, beinahe leise. Doch nach und nach entwickeln sich daraus komplexe Soundlandschaften, voll mit unterschiedlichsten, aber immer songdienlichen Klängen, von experimentell bis klassisch. Durch diese universelle Reichhaltigkeit streicht Eriksens herausragende zarte Stimme und hält so die vielschichtigen Stimmungen, auch mit ihren eindringlichen Texten, auf höchstem Niveau zusammen. (…) versteht es dieses Quintett, (…) eine wunderbare Balance zu halten, nie zu exzessiv, aber auch nie zu melancholisch aufzutreten. Genau dieser Spagat gelingt hier und macht Torun Eriksens neues Album zu einem intensiven, klaren und charmanten Hörerlebnis.

Jazzthetik 09/16

Reduziert, beinahe spröde wirkte ihr Jazzpop, ergänzt von einer beeindruckenden Stimme, die alles andere als süß swingt und dennoch Wärme zaubert. (…) auf „Grand White Silk“ überrascht die 39-jährige mit einer Neuausrichtung in Sachen Jazz und paart elektronische Sounds, Synthesizer und Rhodes Piano mit klassischem Instrumentarium. (…) dabei navigiert ihre Stimme souverän durch elektronisch gefärbte Klanglandschaften, ankert mal zuversichtlich im Jazz oder nimmt mit Soul und gar Gospel an Fahrt auf.

   Neue Osnabrücker Zeitung 09/2016